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Türkei: Der Fall Yücel erreicht "neue Qualität"

BENEDIKT NARODOSLAWSKY | Medien | aus FALTER 08/17 vom 22.02.2017

Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Datenmissbrauch und Terrorpropaganda - so lauten die drei schweren Vorwürfe gegen den deutsch-türkischen Welt-Korrespondenten Deniz Yücel, der sich derzeit in türkischem Polizeigewahrsam befindet.

Yücel war zuvor von der türkischen Polizei gesucht worden, weil er wie auch andere Journalisten über eine Hackerattacke auf das E-Mail-Konto des türkischen Energieministers Berat Albayrak berichtet hatte. Albayrak ist nicht nur Minister, er ist auch der Schwiegersohn des türkischen Staatspräsidenten Erdoğan. In den E-Mails, die die Enthüllerplattform Wikileaks veröffentlicht hat, geht es etwa um die Kontrolle türkischer Medienkonzerne. Und darum, wie Erdoğan mithilfe einer Trollarmee die Öffentlichkeit auf Twitter manipulieren lässt.

Dass die Türkei brutal gegen kritische Journalisten vorgeht, ist nichts Neues. Angesichts des Falles spricht die NGO Reporter ohne Grenzen aber von einer "neuen Qualität". Bislang wurden Korrespondenten ausländischer Medien einfach ausgewiesen. Yücel, der neben der deutschen auch die türkische Staatsbürgerschaft besitzt, blieb im Land. Nun ist er der erste deutsche Journalist in Polizeigewahrsam seit Verhängung des Ausnahmezustandes in der Türkei.


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