Stadtrand Urbanismus

Reise nach Jerusalem - aber umgekehrt

Stadtleben | aus FALTER 09/17 vom 01.03.2017

Einer der schönsten Momente der ersten zwei Morgenstunden ist der, wenn eine relativ alte Person die Straßen-oder U-Bahn betritt. Es ist zu lieben, dieses Mikado, das dann losgeht, das die einen zum unverzüglichen Wegschauen und den, der sich als Erstes bewegt, halt zum Aufstehen zwingt.

Zunächst gilt es abzuschätzen, wie alt diese relativ alte Person tatsächlich ist. Ist das eh so ein alter drahtiger Fitnessgünther, der noch jedes Jahr den Marathon unter dreieinhalb läuft, oder wie bedürftig ist er jetzt wirklich? Das Schnellgutachten fällt oft nicht leicht, zumal man ja von Haus aus, und in der Früh erst recht, verleitet ist, jenem Gefühl Glauben zu schenken, dass es kaum Menschen gibt, "die ihren Sitzplatz notwendiger brauchen" als das arme, träge Selbst.

Und dann kommt raus, dass die meisten relativ alten Menschen sowieso zu eitel zum Niedersetzen sind und auf pikiert tun, wenn sie genau das angeboten bekommen, und dann sagen sie Nein danke und verreißen sich fast das Kreuz beim Versuch, Jugend zu mimen.

Kannst sicher sein, dass es den oder die bei der nächsten Bremsung durch den Waggon haut. Jedes einzelne Mal.


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