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Falter & Meinung | aus FALTER 09/17 vom 01.03.2017

Warum hat niemand auf Johannes Voggenhuber gehört? In einer Falter-Geschichte von Thomas Seifert über die in 97 Wochen kommende Einführung des Euro sagte er: "Zuerst müsse es eine gemeinsame Wirtschafts-und Sozialpolitik geben sowie eine EU-weit koordinierte Steuerpolitik - erst dann könne der Euro sinnvoll eingeführt werden."

Die politische Großwetterlage war dafür EU-freundlich. In Frankreich war Jacques Chirac fest am Ruder, in Deutschland standen keine Wahlen an, und in Großbritannien deutete vieles auf eine Wahl von EU-Freund Tony Blair hin. Zwar erfüllte nicht einmal Deutschland die Maastricht-Kriterien, aber auch linke oder liberale ökonomische Zampanos wie Stefan Schulmeister und Alexander Van der Bellen hatten ein Argument parat: Das lange Warten auf den Euro komme uns teuer. "Je schneller, desto besser, sagte Van der Bellen. Der Übergangspfad ist des Teufels." SPÖ-EU-Abgeordneter Hannes Swoboda pflichtete ihm bei. Man könne die Einführung des Euro verschieben, "aber dann bricht alles zusammen, und damit ist die weitere Entwicklung der EU gefährdet".

Der Philosoph Rudolf Burger verteidigte in einem Text Ex-Kanzler Franz Vranitzky gegen den von Ex-Profil-Herausgeber Hubertus Czernin erhobenen Vorwurf, Vranitzky sei der Haider-Macher gewesen. "Der Sozialdemokrat Vranitzky hat - mit dem ideologischen Wind im Gesicht und nicht im Rücken wie Kreisky - durch seine kluge, umsichtige und moralisch absolut integre Kompromisspolitik mit dem liberalen Bürgertum die Bewegung jenes Mannes, den P.M. Lingens einmal treffend einen ,Nazibuam' nannte, aus der Regierung gehalten. Ein Haider-Macher war er sicher nicht Seine Macher sind eher jene, die in ihm den Teufel sehen, den sie mit dem Beelzebub austreiben wollen ( ). Die zähnefletschende Herzlichkeit, die jetzt am Ruder ist und die den Populismus zum Programm erhebt, verheißt nichts Gutes."

Die "zähnefletschende Herzlichkeit" war auf Viktor Klima gemünzt. Auch auf diesen folgte nichts Gutes.


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