Kommentar Korruption

Korrupte Stadtverwaltung: Was der Fall Wiener Wohnen lehrt


Florian Klenk
Falter & Meinung | aus FALTER 09/17 vom 01.03.2017

Vor einiger Zeit wurde im Falter eine neue Gasleitung verlegt, und da geschah Folgendes: Das neue Gasrohr wurde vorschriftsgemäß gestrichen -in Gelb. Es war eiskalt im Falter, weil für die Dauer der Arbeiten die Gastherme ausgeschaltet war. Und das war die Stunde des Beamten der Stadtwerke.

Er sollte die neue gelbe Leitung freigeben, doch er zierte sich: "Das Gelb passt mir nicht", sagte er rotzfrech. Man möge es anders streichen und sich in ein paar Wochen wieder melden. Der Polier sank in sich zusammen. Die Redaktion drohte zu erfrieren. Dann verschwanden die beiden vor die Türe, und kurz danach passte das Gelb doch. Ich fragte den Polier: "Was führte zum Meinungsumschwung?" Und der Polier sagte: "Wenn ich Ihnen das sage, krieg ich nie wieder eine Bewilligung."

So ist das in Wien mit der Alltagskorruption. Jeder kennt dieses Handaufhalten. Bei der Baubehörde, bei den Stadtwerken und bei der Veranstaltungsbehörde. Umso erfreulicher, dass diese Usancen endlich aufbrechen. Gegen 32 Mitarbeiter von Wiener Wohnen wird nun vonseiten der Staatsanwaltschaft ermittelt, weil sie überhöhte Rechnungen von Handwerksbetrieben abgezeichnet haben sollen - offenbar gegen Kickbacks. Stadtrat Michael Ludwig betont, die Chefs hätten hier auf Aufklärung gedrängt.

Er sollte angesichts des Skandals nun auf Reformen drängen. Alle Mitarbeiter des Rathauses sollten es dulden, von Lockvögeln auf die Probe gestellt zu werden. Wer Opfer von gierigen Beamten wurde und gezahlt hat, sollte schuldbefreiend aussagen können.

Vor allem: Wer korrupt ist, sollte sofort fliegen. All das ist immer noch nicht selbstverständlich.


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