Tief im Osten

Der Schriftsteller Karl-Markus Gauß entdeckt auf seinen Reisen nach Chișinău, Sofia und Novi Sad die Schönheit des Mangels

Rezension: Norbert Mappes-Niediek | Feuilleton | aus FALTER 09/17 vom 01.03.2017

In der Zeitung liest man nur von Armut, Korruption und Chauvinismus. Die Literatur liefert aus dem Osten Europas aber auch viele groteske Geschichten, die Fotografie schaurig-schöne Bilder. Die Faszination des Ostens und die Empörung über dessen schlechte Verhältnisse passen schlecht zusammen. Außer bei Karl-Markus Gauß.

Der Salzburger Autor besucht seit Jahrzehnten vergessene Landschaften, die nicht mehr hinter dem Eisernen, jetzt aber hinter einem kaum weniger dichten kulturellen Dunstvorhang liegen. Mit seinen vier jüngsten Reisen führt Gauß uns in die ganz unbekannte Republik Moldau, nach Zagreb, in die serbische Vojvodina und nach Bulgarien.

Die zentrale Figur in allen Geschichten ist immer der Erzähler. Man stellt sich ihn als eine Art Flaneur vor, der wach und unbekümmert durch die Städte und Länder streift und jederzeit bereit ist, sich überraschen zu lassen. In der Plattenbaulandschaft von Chisinau entdeckt Gauß das Land mitten in der Stadt, mit Gärten, Vieh und Dorfältesten.

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