"Wir drehen wirklich jeden Stein um"

Festivalleiterin Gabi Frimberger über Programmatik und Höhepunkte der Frauen-Film-Tage

Interview: Michael Omasta | Lexikon | aus FALTER 09/17 vom 01.03.2017


Foto: Thimfilm

Filme von Frauen sind im Kinoalltag immer noch unterrepräsentiert. Festivals wie den Frauen-Film-Tagen kommt da als Korrektiv eine wichtige Funktion zu. Das von Gabi Frimberger gegründete und geleitete Filmfestival, das 25 Arbeiten zeigt und mit 45.000 Euro Budget (2016) auskommen muss, findet zum bereits 14. Mal statt. Heuer neu sind ein internationales Tribute und das Metro Kinokulturhaus als Spielort.

Festivalleiterin Frimberger war ursprünglich im Finanzbereich tätig – „Eine Bankerin?“ „Ja, aber noch im guten Sinne!“ –, hat diesen jedoch Mitte der 1990er verlassen, um mehr im gesellschaftspolitischen Bereich zu arbeiten. Sie war bei einer Fairtrade-Außenstelle in der Schweiz angestellt und führte in Wien drei Jahre lang ihr eigenes kleines Café.

Falter: Gibt es eine Philosophie der Frauen-Film-Tage?

Gabi Frimberger: Wir haben als politisches Filmfestival angefangen und sind es unserem Verständnis nach bis heute geblieben. Natürlich hat sich vieles inzwischen verändert. Wir sind jetzt im 14. Jahr, und ich könnte mir nicht vorstellen, das gleiche Programm wie 2004 zu spielen. Bei der Zusammenstellung verbringen meine Kolleginnen und ich viel Zeit mit der Recherche, denn obwohl Regisseurinnen international wie auch in Österreich heute viel stärker vertreten sind, ist die Auswahl nicht riesig, wenn man sich als politisches Festival versteht. Wir drehen manchmal wirklich jeden Stein um.

Können Sie die Kriterien bei der Programmauswahl beschreiben?

Frimberger: Wir haben von Haus aus versucht, Dokumentarfilme und Spielfilme gleich zu bewerten. Das war anfangs keineswegs selbstverständlich, denn Dokumentarfilme, die sich mit gesellschaftspolitischen Dingen beschäftigen, haben erst im Lauf der Zeit einen Platz im Kino behauptet. Prinzipiell schauen wir, dass wir Spiel- wie Dokumentarfilme in deutscher Untertitelung haben, um ein möglichst breites Publikum anzusprechen. Was sich nicht so rasant verändert hat, sind die Themen. Gerade im frauenpolitischen Bereich ist leider dasselbe aktuell wie vor zehn Jahren – und ich nehme an, dass sich das so rasch auch nicht ändern wird.

Mit „Always Shine“ von Sophia Takal gibt es auch einen Horrorfilm im Programm. Wo sehen Sie da die frauenspezifische Thematik?

Frimberger: Ich hab da überhaupt keine Berührungsängste, sondern lege den Begriff sehr weit aus, einfach auch deshalb, weil es kaum Frauen gibt, die Horrorfilme machen. Es gibt Genres, wo sich Regisseurinnen durchaus mehr trauen könnten, und ich finde, wenn dann ein solcher Film gemacht wird, gehört er gezeigt. Vielleicht ist das für Filmemacherinnen eine Ermunterung, es auch einmal zu probieren.

Eine markante Erweiterung des Programms ist seit 2010 die sogenante Personale, die heuer Monika Buttinger gewidmet ist – warum eine Kostümbildnerin?

Frimberger: Die ersten Personalen waren Karin Berger und Karin Brandauer gewidmet, zwei österreichischen Regisseurinnen, die sich mit frauenpolitischen Themen beschäftigt haben und die hervorzuheben uns wichtig war. Danach sind wir Richtung Filmherstellung gegangen, weil uns gestört hat, dass es fast immer nur um Stars und die Regie geht. Wie vielfältig das Filmschaffen ist, kommt in der öffentlichen Wahrnehmung nicht vor, deshalb haben wir etwa die Schnittmeisterin Karina Ressler vorgestellt, die Sounddesignerin Veronika Hlawatsch oder jetzt mit Monika Buttinger eben erstmals eine auch international tätige Kostümbildnerin.

Das ist ein gutes Stichwort: Mit der Regisseurin Isabel Coixet haben Sie erstmals auch einen richtig großen internationalen Namen zu Gast – wie spricht man den korrekt aus?

Frimberger: „Kojche“, das X ist im Spanischen ein Ch. Wir freuen uns sehr auf dieses Tribute. Isabel Coixets bisher letzter Film zum Beispiel, „Nobody Wants the Night“, hat vor zwei Jahren die Berlinale eröffnet. Jetzt arbeitet sie gerade wieder an einem Projekt und kann deshalb nur kurz zum Festival kommen.

Welche Filme sollte man heuer keinesfalls versäumen?

Frimberger: Natürlich unseren Eröffnungsfilm, „L’Effet aquatique“ von Sólveig Anspach. Dann, sehr amüsant, „The Edge of Seventeen“, ein Regiedebüt aus Kanada. Ein bisschen Horror, „Always Shine“, und ein bisschen Liebe und Leidenschaft: „Eine Karte der Klänge von Tokio“ von Isabel Coixet. Aus der Personale für Monika Buttinger freue ich mich auf „Der Vampir auf der Couch“ – ich mag es, wenn Tobias Moretti auch ein bisschen komisch sein darf.

Von 3. bis 9.3. im Metro Kinokulturhaus
(Eröffnung am 2.3., 20.00, im Filmcasino)
Information: www.frauenfilmtage.at


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