Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Benedikt Narodoslawsky | Falter & Meinung | aus FALTER 09/17 vom 01.03.2017

Nina Horaczek öffnet die üblicherweise leere Küchenlade, ihre Pupillen weiten sich. Ein Dekadenereignis! Wo sonst Öde herrscht, liegen nun Gabeln, Messer, Löffel. Alles neu! Jedes Besteckstück ist noch in Plastik gehüllt. Ehrfürchtig zupft Horaczek es runter und legt einen glänzenden Löffel frei. Willkommen beim Falter, Löffel!

Was für ein trauriger Anlass, um ihn einzuweihen. Reihenweise versinkt neues Besteck in köstlichem Tiramisu. Benjamin Breitegger hat mit einer sanften Warnung zum Abschiedsschmaus geladen: "Bisher habe ich noch niemanden vergiftet." In den vergangenen Wochen hatte der freundliche Kollege aus Kärnten alle Hände voll zu tun, die Redaktion über seinen bundesdeutschen Akzent aufzuklären (Deutsche Journalistenschule) und daneben die halbe Zeitung mit ebenso klugen wie schönen Texten vollzuschreiben. Sein Gastspiel wurde zum Triumph. Wir freuen uns auf weitere Breitegger-Texte im Falter.

Und dann ist da noch Oliver Hofmann, der am Montag seine blaue Mütze nahm. Der bärtige Grafikgott mit dem Oberarm-Waldtattoo formte in den vergangenen Jahren wahre Layoutkunstwerke. Gestaltete er Illustrationen, wurden sie stets großartig und besser, als man es sich vorstellen konnte. Wie betroffen sein Abschied macht, hört man an den brüchigen Stimmen der Grafikkollegen. Dabei hat Hofmann den besten Grund zu gehen: Sein Studio für visuelle Gestaltung, "Typisch Beton", wurde zu erfolgreich. Schön für ihn, bitter für den Falter. Olé, falls du wiederkommen magst: Wir haben dir einen neuen Löffel reserviert!


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