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Pressefreiheit: Autokorsos für Deniz Yücel

Betrachtung: Benedikt Narodoslawsky | Medien | aus FALTER 09/17 vom 01.03.2017

Deniz Yücel musste seinen Bericht aus dem Gefängnis seinem Anwalt diktieren, er selbst darf nicht mehr schreiben. "Für die gesundheitlichen Probleme (Magen-Darm) bekomme ich die erkämpften Medikamente. Aber wenn ich nicht seit neun Tagen hier eingesperrt wäre, hätte ich diese Probleme nicht", teilte der deutsch-türkische Welt-Korrespondent der Öffentlichkeit über seinen Anwalt mit. Die Welt veröffentlichte das Haft-Protokoll am Wochenende.

Am Montag war klar, dass sich Yücels Polizeigewahrsam zu einer U-Haft ausweiten würde. Die türkischen Behörden werfen dem 43-Jährigen vor, er habe sich der "Propaganda für eine terroristische Vereinigung und Aufwiegelung der Bevölkerung" schuldig gemacht. Tatsächlich hatte Yücel bloß über Skandale im Umfeld des türkischen Präsidenten Recep Erdoğan berichtet.

Im schlimmsten Fall könnte der deutsch-türkische Journalist fünf Jahre in U-Haft sitzen, bevor er freigelassen oder ihm der Prozess gemacht wird. Es sehe nach einem weiteren Fall aus, in dem "erneut ein Journalist wegen kritischer Artikel und unter Anwendung der Terrorgesetze beschuldigt wird", kritisierte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Nur ist es in diesem Fall erstmals ein Journalist mit deutschem Pass. Der Fall sorgt deshalb seit Wochen für diplomatische Verstimmungen zwischen Deutschland und der Türkei.

Für Yücels Freilassung setzen sich Politiker, Journalisten, Menschenrechtsorganisationen und die Zivilgesellschaft ein. Zum Zeichen der Solidarität veranstalteten Yücels Unterstützer mehrere Autokorsos in deutschsprachigen Städten. Auch in Wien hupten Autos für Deniz.


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