Tiere

J'accuse!

Kolumnen/Zoo | aus FALTER 09/17 vom 01.03.2017


Zeichnung: Bernd Püribauer » zur Tier-Galerie

Die Jagd ist mir nicht fremd: Ich war schon Primzahlenjäger, bin Tornados nachgejagt, lag nächtelang neben Teilchenbeschleunigern auf der Lauer, um Elementarteilchen aufzuspüren, habe in den Kompetenzen meiner Kollegen gewildert und so manches Bierchen zur Strecke gebracht. Aber Naturraummanager war ich noch nie. Das ist nämlich der neue Begriff, wenn man Wildtiere abschießt – nein, besser formuliert: per Verordnung einem Biotop entnimmt. Das klingt auch irgendwie seriös und basiert sicher auch auf einem wissenschaftlich begründeten Plan. Aber. Fasching ist vorbei und jetzt ist Schluss mit lustig.

Aufgrund eines Antrags des niederösterreichischen Landesfischereiverbands so wie des Teichwirteverbands hat der zuständige Landsrat einen Managementplan zur Entnahme von 40 Fischottern vorgelegt. Eigentlich sind diese in Summe etwa 300 Tiere durch die europäische Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie geschützt, doch eine Ausnahme darin erlaubt Abschüsse „zur Verhütung ernster Schäden (…) an Wäldern, Fischgründen und Gewässern sowie an sonstigen Formen von Eigentum“.

Und die Inhaber von Fischereirechten erwähnen in diesem Zusammenhang gerne, dass auch Fische ein Recht auf Existenz haben. Na dann, was soll der ganze Widerstand von Naturschutzvereinen wie dem WWF?

Fischotter sind keine Killer im Fisch-Blutrausch, sondern fressen als Raubtiere ebenso Blässhühner, Bisamratten, Mäuse, Schnecken, Frösche und Insekten. Nicht der Fischotter ist der Grund für den beklagten Rückgang der Fischfauna, sondern dafür verantwortlich ist vielmehr unser zerstörerischer Umgang mit unseren Gewässern. In der Schweiz gibt es keine Fischotter, aber eine vergleichbare Abnahme der Fischbestände wie bei uns. Eine Studie ortete dafür mehrere Gründe: Eintrag von Spritzmitteln in die Flüsse, zu hohe Fließgeschwindigkeiten, zu wenig Laichplätze, Besatz mit Zuchtfischen, die kränkeln und in natürlichen Gewässern kaum überlebensfähig sind.

Es ist der altbekannte, aber nicht sinnvolle Reflex von Naturnützern, zuerst einmal „Haltet den Dieb“ zu rufen. Und da gibt es ja noch andere: Graureiher und Kormoran ernähren sich ebenfalls von Fischen und sind daher gleichermaßen im Fadenkreuz der „Manager“. Und was kommt, wenn sich die Bestände des Seeadlers weiter vergrößert haben?

Naturräume sind keine Fabrikshallen. Lernen wir endlich, mit Wildtieren zu leben.


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