Film Neu im Kino

Leben und lieben lernen: "Moonlight"


Sabina Zeithammer
Lexikon | aus FALTER 10/17 vom 08.03.2017

In einer heruntergekommenen Gegend von Miami liest Juan einen Buben auf. Scheu sitzt der von seinen Mitschülern gemobbte Chiron bald darauf am Esstisch von Juan und seiner Freundin. Das lichte Heim des Paares ist das Gegenteil von Chirons Zuhause, in dem er mit der Vernachlässigung durch seine alleinerziehende, cracksüchtige Mutter zu kämpfen hat. So schwer Enttäuschungen und Verletzungen auf dem Buben lasten, so entschlossen wählt er sich Juan zum Ersatzvater. Dieser kommt der Aufgabe gern nach, bringt dem Zehnjährigen das Schwimmen bei und erklärt ihm mit umsichtigen Worten, was es bedeutet, als "Schwuchtel" beschimpft zu werden. Dass Juan als Drogendealer in Chirons Unglück verstrickt ist, wirft einen Schatten auf die Beziehung.

Von vielfältigen Schatten und dem Streben hin zum Licht in Form von familiärem Halt, Freundschaft und Liebe erzählt Barry Jenkins mit seinem autobiografisch geprägten Coming-of-Age-Drama "Moonlight". Drei durch Zeitsprünge voneinander getrennte Kapitel beleuchten nach Chirons Kindheit seine Teenagerzeit und sein Leben als junger Erwachsener.

Jene, die einen klassischen Spannungsbogen erwarten, könnte das Oscar-gekrönte Werk (u.a. bester Film) in seiner Zurückhaltung ungeduldig stimmen. Denn auch wenn er als Mann der Gewalt, der er als homosexueller 16-Jähriger ausgesetzt war, als toughes (und ebenso kriminelles) Abbild Juans entkommen ist, führt Chiron immer noch ein abgeschottetes Dasein in der Warteschleife. Es sind jedoch die vielen kleinen Schritte, mit denen er sich dem Leben und der Liebe öffnet, die Jenkins mit großer Authentizität ins Zentrum stellt. Ein beeindruckend gespielter, sanfter Film der Blicke, der Mimik und Gestik mit einem hochromantischen, hoffnungsvollen Ausklang.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Gartenbau)


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