Kommentar Umwelt

Murkraftwerk: Es müsste noch nicht alles vorbei sein


Gerlinde Pölsler
Falter & Meinung | aus FALTER 10/17 vom 08.03.2017

Tausende Menschen hoffen nach wie vor, dass das Grazer Murkraftwerk noch zu verhindern ist. KPÖ, Grüne und Piraten haben zuletzt einen Sondergemeinderat erzwungen, sie wollen immer noch die Bürger befragen. Für Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP), SPÖ und FPÖ ist aber klar: Es ist alles gegessen.

Für eins ist es wohl wirklich zu spät: dass die Grazer über das Kraftwerk selbst abstimmen. Rechtlich ist alles durch, die Energie Steiermark hat ihre Beschlüsse gefasst. 2010 hatte das Unternehmen versprochen, das Ergebnis einer Befragung zu respektieren. Doch die Stadtpolitik einigte sich nie auf eine solche.

Worüber die Stadt aber abstimmen lassen könnte: den Bau des Speicherkanals, der mit dem Kraftwerk entstehen soll. Die 84 Millionen Euro für das Projekt will großteils die Stadt zahlen. Es wäre ihre größte Investition seit Jahrzehnten. Müsste das Energieunternehmen die nötigen Ausgleichsmaßnahmen allein bezahlen, wäre das Kraftwerk wohl nicht mehr rentabel. Nagl wolle "niemandem mehr zumuten", dass bei Starkregen Fäkalien in die Mur gelangen. Doch ohne Kraftwerk wäre der Kanal keinesfalls dringend nötig. Zumal sich durch das Kraftwerk die Wasserqualität der Mur auf Dauer verschlechtert, so der UVP-Bescheid. Genehmigt wurde die Staustufe nur dank Ausnahmeparagrafen.

Wenn wir schon beim Zumuten sind: Bei den ständigen Feinstaubüberschreitungen ist man nicht so zimperlich. Für dringend nötige ÖV-Trassen hat die Stadt kein Geld, für den Kanal schon. Wollen die Grazer das? Es wäre legitim, sie zu fragen. Zur Erinnerung: Bei der Befragung, ob die Stadt die Reininghausgründe um 75 Millionen Euro kaufen soll, sagten mehr als zwei Drittel Nein.


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