Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Die beste Bude der Welt der Woche


Barbara Tóth
Feuilleton | aus FALTER 10/17 vom 08.03.2017

Buden sind normalerweise keine Orte, die es leicht in die Enthusiasmuskolumne des Falter schaffen. Für alle, die den Begriff nicht kennen: Burschenschaften bezeichnen ihr Vereinslokal als "Bude", der Begriff geht auf das mittelhochdeutsche Wort "buode" ("Hütte, Haus") zurück. Sie sind also gemeinhin Orte ewiggestriger, rechter Denke. Aber am Aschermittwoch letzte Woche bezog die Burschenschaft "Hysteria" in Ottakring endlich ihre eigene Bude. Und sie ist eindeutig die beste Bude der Welt der Woche.

Hysteria ist ein Projekt junger Frauen, darunter Falter-Autorin Stefanie Sargnagel, die seit über einem Jahr mit ihren Aktionen gegen Rechtsextreme Schlagzeilen machen (siehe auch das Porträt in der Feminismus-Beilage in diesem Falter). Mit ihrem Aktionismus knüpfen sie an radikalfeministische Bewegungen an, sie persiflieren dabei traditionelle Burschenschaften bis ins kleinste Detail, bleiben dabei aber immer auch selbstironisch. In einem Satz: sie sind im Kulturkampf die derzeit witzigste und originellste Antwort auf den Backlash.

Die Bude, die sie letzte Woche bezogen, hat eine krasse, rechtsextreme Geschichte. Das Lokal in der Koppstraße 72 war einst das "Fritz-StüberHeim", benannt nach einem österreichischen Rechtsextremen. Mal traf sich die "Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik", mal die "Wehrsportgruppe Trenck" dort.

Die Damen der Hysteria räumten mit der braunen Geschichte ordentlich auf, wie sie auf Facebook dokumentierten. Der "lächerliche Haufen" von rechten Recken sei anfangs zwar "ungehorsam" gewesen, "aber durch Hysterias starke Hand wieder sicher daheim verwahrt, kümmern sie sich ab jetzt wieder um den Haushalt und sehen ein, dass diese Treffen nicht das Richtige für sie waren". Heil Hysteria!


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