Augenblick Wiener Momente

Petra Ramsauer | Stadtleben | aus FALTER 10/17 vom 08.03.2017

Im D-Wagen, Montag 6.31 Uhr. Der halbleere Zug der Linie D nimmt nach dem Franz-Josefs-Bahnhof zügig Fahrt auf und gleitet forsch in die markante Rechtskurve hinein in die Porzellangasse. Die Fingerkuppen mehrerer Fahrgäste rutschen auf den Touchscreens ihrer Smartphones aus. Eine Gratiszeitung segelt zu Boden. "Des ist gefährlich. Der is angsoffen", erklärt ein Fahrgast. Aufgeregt geht er auf und ab und wiederholt: "Angsoffen ist der." Mehrere Fahrgäste stimmen sofort ein. "Ja, der ist angsoffen!" Station Schlickgasse, 6.37 Uhr. Der Fahrer verlässt wortlos den Zug und stellt sich auf den Gehsteig. Schweigt und raucht. 6.42 Uhr. Die verwaisten Fahrgäste sind noch entspannt. 6.44 Uhr. Jetzt dauert es zu lang. "Was ist?", hört man Fahrgäste zu dem Fahrer sagen. "Die Fahrgäste sagen, ich bin angesoffen. Habe die Zentrale angefunkt. Der Betrieb ist eingestellt."


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