Ohren auf Chopin, Chopin

Dreierlei vom polnischen Allerlei

Miriam Damev | Feuilleton | aus FALTER 10/17 vom 08.03.2017

Mit nur 21 Jahren gewann Seong-Jin Cho 2015 den renommierten Warschauer Chopin-Wettbewerb, jetzt ist die erste Studioaufnahme "Piano Concerto No. 1 - Ballades" (DG) erschienen. Neben vier Balladen spielt der Koreaner das Klavierkonzert No. 1 mit dem London Symphony Orchestra unter der Leitung von Gianandrea Noseda. Überschreiben ließe sich Chos Spiel vor allem mit dem Begriff "cantabile", singend. Hier gibt es keine großen Gefühlsausbrüche, dafür umso mehr Poesie und Intimität. Ein wenig vermissen lässt Seong-Jin Cho die Ecken und Kanten, das Abgründige in Chopins Musik - wir schieben es einfach einmal aufs jugendliche Alter.

Mozart, Schubert und vor allem Bach - das waren bisher die Konstanten in David Frays Pianistenleben. Nun legt er sein erstes Chopin-Album (Erato) vor, und man fragt sich, warum er so lange damit gewartet hat. Denn der Pole und der Franzose, sie passen perfekt zueinander. Vom träumerischen Nocturne und den wehmütigen Mazurken über die majestätisch auftrumpfende Polonaise-Fantasie bis zum melancholischen Abschiedswalzer - schon lange hat man Chopin nicht so frei, so unmittelbar und so poetisch gehört.

Eine ganz andere Seite Chopins zeigt der Pianist Jan Lisiecki. Der Titel "Chopin: Works for Piano &Orchestra" (DG) lässt es bereits vermuten: Hier sind Werke für Klavier und Orchester zu hören, und zwar jene, die es nicht auf die Konzertpodien dieser Welt geschafft haben, etwa die "Fantasie über polnische Volkslieder", das "Rondo à la Krakowiak" oder die Variationen nach einem Thema von Mozarts "Don Giovanni".

Auch wenn Chopin die Orchestrierung nicht immer leicht von der Hand gehen wollte, ein spannendes Repertoirefundstück ist dieses Album allemal - vor allem aufgrund des ausgezeichneten Zusammenspiels zwischen Lisiecki und dem NDR Elbphilharmonie Orchester unter Krzysztof Urbański.


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