Film Neu im Kino

Knochenjob, Affengewalt und Kriegskritik in "Kong"

Drehli Robnik | Lexikon | aus FALTER 10/17 vom 08.03.2017

Affengeil war einmal. Alle großen King-Kong-Filme boten bisher nicht nur New Yorker Turmbesteigung (1976 World Trade Center; 1933 und 2005 Empire State Building), sondern spielten dem Gorilla auch ein Girl in die Hände. Zuletzt bettete Peter Jacksons Version interspezielle Erotik in Revuen obszönen Fleisches ein.

Der neue Film zeigt nun statt Fleisch Fell, und zwar viel: Kong ist höher, aufrechter als zuletzt, stets grumpy und im Dienst, kein Mann für Flirt und Fun. Und es gibt in "Kong: Skull Island" (er spielt nur dort) viel Knochen, an Nebenmonstern und als Affenskelett-Ambiente, in dem eine der furiosen Actionszenen abläuft. Regienovize Jordan Vogt-Roberts macht alles gut, manches groß. Nix ist geil oder grotesk, alles pittoresk, flott ohne viel buildup, mit Rot im Bild, Rock im Score und Freude am multiethnischen Kauz-Ensemble, das durch die Insel irrt: Militär, Öko-Freaks, Fotografin. Brie Larson darf Kong kurz ans Fell fassen.

Der Film hat keine Vision: Sein Kong ist keine Sozial-oder (wie bei Jackson) Kinoallegorie. Zwar wird viel durch Foto- und Schmalfilmkameraobjektive geguckt, doch das ist - wir schreiben 1973 -Teil eines Spiels mit heute hipper Retrotechnik für daheim (Schallplatte!) und einem ortsversetzten Vietnamfilm: "Bild ist besser als ballern" will der Film - auch im Plot mit John C. Reilly als Kampfpiloten, der seit 1944 auf der Insel festsitzt - wohl sagen, und dass Krieg irgendwie irr ist. "Apocalypse Now" grüßt mit Pyropanorama, Helikopterballett und Samuel L. Jackson als an Colonel Kilgore erinnernder Commander, der väterlich, aber gaga ist: Er will Napalm am Abend und Rache am Affen.

Wer bis zum Ende sitzen bleibt, erfährt, dass er oder sie noch Franchise-Fusionen mit dem (noch besseren) 2014er-Godzilla aussitzen darf. So long, Kong!

Ab Fr in den Kinos (OF 3D im Haydn)


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige