Kommentar Türkei-Referendum

Es braucht ein "Halk forumu", ein Türkei-Bürgerforum im ORF


NINA HORACZEK
MEINUNG | aus FALTER 11/17 vom 15.03.2017

Man kann einander über die Medien Unhöflichkeiten ausrichten, den anderen wahlweise als Nazi oder Diktator beschimpfen. Man kann die angespannte Stimmung zwischen Österreich und der Türkei für innenpolitische Stimmungsmache nützen. Das löst aber keine diplomatischen Probleme, sondern verschärft sie.

Wäre es nicht zielführender, auch bei uns eine umfassende Debatte über das vom türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdoğan angesetzte Referendum zu führen? Warum nicht ein eigenes Bürgerforum im ORF zum Verfassungsreferendum in der Türkei?

Mit Auftrittsverboten für türkische Politiker erreicht man vor allem eines: Erdoğan und seine Mitstreiter können sich als die armen Opfer darstellen.

Eine öffentliche Debatte gäbe nicht nur den etwa 300.0000 Menschen mit türkischem Migrationshintergrund, die in Österreich leben, die Möglichkeit, sich objektiv und abseits von Parteipropaganda über das Referendum zu informieren. In einem Bürgerforum könnten Politiker aus dem Erdoğan-Lager ebenso zu Wort kommen wie Gegner des Referendums und Experten aus dem In-und Ausland. Die Erdoğan-Vertreter müssten sich in einer solchen Debatte der Kritik der Referendumsgegner stellen. Oder sie bleiben zu Hause. Dann können sie sich aber nicht als Opfer hinstellen.

Außerdem könnte so auch das Verhältnis der zahlreichen Austro-Türken zu ihrer neuen Heimat Österreich diskutiert werden, aber auch, wieso viele im Land sich bis heute weigern, Menschen mit türkischen Wurzeln als gleichwertige Mitbürger zu akzeptieren. Genau darin liegt wohl ein Grund, wieso viele Österreicher mit türkischen Wurzeln sich in ihrer alten Heimat noch immer willkommener fühlen als in der neuen.


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