Am Apparat Telefonkolumne

Wieso droht ein FPÖ-Politiker Ihrer Schule, Herr Oberndorfer?


INTERVIEW: NINA HORACZEK
POLITIK | aus FALTER 11/17 vom 15.03.2017

Der Extremismusexperte Thomas Rammerstorfer aus Wels ist ein gern gebuchter Vortragender. Vergangene Woche musste er seinen Vortrag am Bundesoberstufengymnasium Linz aber abbrechen und durfte mit den Schülern nicht mehr diskutieren. Schuld seien massive Drohungen eines freiheitlichen Politikers gewesen, sagt Schuldirektor Wolfgang Oberndorfer.

Was ist da an Ihrer Schule passiert?

Während Schüler der achten Klasse im Wahlpflichtgegenstand Psychologie einen Vortrag über antidemokratische Bewegungen hörten, intervenierte ein freiheitlicher Nationalratsabgeordneter derart massiv bei mir, dass ich den Vortrag noch vor Beginn der Diskussion mit den Schülern abbrechen ließ.

Der Politiker hat telefonisch direkt bei Ihnen interveniert?

Ja. Der FPÖ-Abgeordnete Roman Haider hat bei mir angerufen und massive Konsequenzen gegen eine Lehrkraft angedroht. Um diese Lehrkraft zu schützen, blieb mir keine andere Wahl, als den Vortrag sofort abbrechen zu lassen.

Welche Konsequenzen hat der Abgeordnete Haider angedroht?

Dass er mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln gegen diese Lehrkraft, die den Vortrag organisiert hat, vorgehen werde.

Woher wusste der FPÖ-Abgeordnete von dem Vortrag an Ihrer Schule?

Von seinem Sohn. Der saß in dem Vortrag und hat seinen Vater informiert.

War an dem Vortrag von Herrn Rammerstorfer etwas auszusetzen?

Ich war persönlich nicht dabei, habe aber nachträglich alles nachgelesen. Der Vortrag war korrekt und ausgewogen. Es gab keinen inhaltlichen Grund, ihn abzubrechen. Es ging nur darum, den Lehrer zu schützen.

Wird Herr Rammerstorfer wieder an Ihrer Schule vortragen dürfen?

Das kann ich noch nicht sagen.

Der FPÖ-Abgeordnete Haider war zu keinem Interview bereit, erklärte aber schriftlich, er habe als Politiker und Elternvertreter interveniert


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