Punkterl Die Glosse vom Falter

MEINUNG | aus FALTER 11/17 vom 15.03.2017

Es gehe definitiv nicht um Sex, vertraute Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder der Frankfurter Rundschau an. In Egon Schieles Zeichnung eines sich dem Betrachter entgegenreckenden, weiblichen Hinterns wollte er partout keine erotische Stellung erkennen. "In seiner radikalen Flächigkeit erinnert es doch sehr an eine missglückte Palatschinke", führte Schröder aus.

Schon der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel dachte eher ans Essen als an Sex. Er beschrieb, durchaus genüsslich die Aneignung von Welt im Akt des Kauens. Ein Freudianer sieht in einer Gurke einen von Kastration bedrohten Phallus, ein Koch hingegen einen potenziellen Salat, den er in dünne Scheiben schneiden wird.

Schröders Deutung sublimiert die Fleischeslust ins Gastronomische hinein. Für Freunde des Augenschmauses ist das libidinöse Potenzial Schieles damit allerdings noch lange nicht ausgereizt. Denn wie heißt es so schön: Die Liebe geht durch den Magen oder auch: Die Palatschinke ist der Sex des Alters.


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