Gelesen Bücher, kurz besprochen


NINA HORACZEK
POLITISCHES BUCH | aus FALTER 11/17 vom 15.03.2017

Der Widerstand der kleinen Leute Sein "Bubi" ist erst zehn Tage auf der Welt, als die Gestapo den Arbeiter und frischgebackenen Vater Josef Anton Baldermann von der Werkbank weg verhaftet. Baldermann, geboren 1903, im Jahr 1941 in Wien verhaftet und 1943 in Berlin von den Nazis als Widerstandskämpfer hingerichtet, war ein einfacher Arbeiter, dessen Schicksal bis vor kurzem kaum einer kannte. Die langjährige Profil-Journalistin Marianne Enigl hat ein Buch über Baldermann und dessen Familie geschrieben. Mithilfe zahlreicher Originaldokumente aus dem Familienbesitz, darunter ein Tagebuch sowie zahlreiche Briefe aus der Haft, ist es ihr gelungen, dem Metallarbeiter, Sohn böhmischer Migranten und Proletarierkind aus der Brigittenau, der sich dem Terror der Nazis nicht beugen wollte, ein literarisches Denkmal zu setzen.

"Baldermann" ist nicht nur ein Buch über Widerstand und Verfolgung der sogenannten kleinen Leute. Es ist ein sehr persönlicher Einblick in das Leben der armen Menschen während der Nazidiktatur, ihres Kampfes ums Überleben und ihrer kleinen Freuden. Etwa jener von Baldermann, als er endlich ein Bild seines geliebten "Bubis" in die Haftzelle bekommen kann.

In seinem letzten Brief aus der Todeszelle lautet Baldermanns letzter Wunsch an seine Frau Hermi, dem Sohn die "Liebe für alles Schöne, für die Natur, für die Tiere, und auch für die Menschen" beizubringen.

Marianne Enigl: Baldermann. Eine Arbeitergeschichte im Roten Wien. 232 S., € 19,90


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