Neue Bücher Mit Franz Kafka ins Kino, mit Martin Zinggl nach Nepal

FEUILLETON BÜCHER : PLATTEN | aus FALTER 11/17 vom 15.03.2017

"Im Kino gewesen. Geweint." Dieser berühmte Tagebucheintrag ist bezeichnend für den Kinogeher Franz Kafka. Knapp, emphatisch und zugleich distanziert schildert er die Erlebnisse: das Kino als Überwältigungsmedium, dessen Wirkung irgendwie verdächtig ist. Seltsam, dass die Literaturwissenschaft, die aus einem Komma in Kafkas Werk ganze Theorien zu entwickeln versteht, sich nie für die Lichtspielerfahrungen des "heiligen" Franz interessiert hatte.

Bis der Schauspieler und Autor Hanns Zischler kam. Sein Interesse begann in den 1970ern. Das daraus resultierende Buch "Kafka geht ins Kino", 1996 erschienen und lange vergriffen, ist das Zeugnis einer Sammelleidenschaft, ein Essay, mit dem man in vergangene Bilderwelten eintauchen kann. Die Neuausgabe liefert nicht nur weitere Funde, sondern auch eine DVD mit Filmen, die Kafka einst gesehen hat. Ein Fest nicht nur für Cineasten! ULRICH RÜDENAUER

Nepal kannte niemand, bevor Hippies und Bergsteiger das Königreich im Himalaja entdeckten, in dem erst 2008 die Republik ausgerufen wurde. 2015 wurde das bettelarme, aber bezaubernd schöne Land von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Zwei Tage zuvor hatte der Autor Martin Zinggl den Vertrag für sein Reisebuch unterschrieben.

Die neun Essays, die er mit nach Hause gebracht hat, reichen von der Evakuierung eines Dorfes nach dem Erdbeben über ein religiöses Opferfest und eine Trekkingtour rund um den Annapurna bis zum Schnöselsport Elefantenpolo. Immer wieder trägt Zinggl metaphorisch ein wenig zu stark auf und strapaziert Redewendungen, aber trotzdem gelingt ihm ein facettenreiches, lebendiges, ungeschöntes und auch persönliches Porträt eines Landes der Gegensätze, das immer noch abseits der Haupttouristenrouten der Welt liegt.

KIRSTIN BREITENFELLNER


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