Wie der Beelzebub persönlich: Regisseur Volker Schlöndorff über Valeska Gert

PROTOKOLL: MICHAEL OMASTA | FEUILLETON | aus FALTER 11/17 vom 15.03.2017

"Das Erste, woran ich bei Valeska Gert denke, ist, wie ich sie in ihrem schwarzen Lederanzug, mit einem rot und einem blau angemalten Auge in Oberpullendorf ins Spital brachte. Die Nonnen dort hielten sie für den Beelzebub persönlich. Sie war mit Verdacht auf Lungenentzündung zum Dreh gekommen und musste ihre ersten Szenen in 'Der Fangschuss' in einem Stuhl rumgetragen werden, weil sie sich nicht auf den Beinen halten konnte. Ich hatte Angst, dass sie stirbt, aber sie hat sich rasch wieder erholt und uns alle in Bann geschlagen. Valeska war uns von ihrer ganzen Haltung her sehr nah: antibürgerlich, free Sex, keine Regeln. Dass ihr Kabarett auf Sylt 'Ziegenstall' hieß, passte zu ihr: bloß nix Feierliches, nix Kulturelles, sondern immer nur unmittelbar Zupackendes. In dieser Bude - sie lebte mit ihren Katzen in einem großen Bett -haben wir über Weihnachten und Neujahr ein Porträt mit ihr gedreht, Michael Ballhaus hat Kamera gemacht.

Zu dem Zeitpunkt war Valeska fast ganz von der Bildfläche verschwunden. Im Berlin der 1920er war sie mit ihrem 'Grotesktanz', von dem sie sagt, dass sie ihn erfunden hätte, eine Berühmtheit. In ihren Programmen ging's um Liebe, Sex und Tod, Kabarett über irgendwelches politische Geschehen hat sie nie gemacht.

Für den Film haben wir einige Nummern mit Pola Kinski nachgestellt und in einem New Yorker Museum tauchte eine Filmdose mit Aufnahmen der jungen Valeska auf. Ich kriege bis heute Anfragen von Choreografen und Tänzerinnen, die gerne mehr wissen wollen über Valeska Gert."


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