Pop/Jazz Tipps

Tolle Musiker, die das Außergewöhnliche wollen

SF | Lexikon | aus FALTER 12/17 vom 22.03.2017

Schon als Indiepopper war der Wiener Musiker Dino Spiluttini eine Besonderheit. Mit handelsüblichem Gitarrengeschrammel gab er sich nie zufrieden, im Duo Liger pflegte er einen nervös-fiebrigen Kunstpop, bei dem sich Hirn und Herz die Hand reichten. Während einer Schreibblockade begann er vor einigen Jahren mit Elektronik und Drone-Klängen zu experimentieren - und ist seither im Wesentlichen dabeigeblieben.

Geblieben sind ihm auch Grundthemen wie Verzweiflung, Weltschmerz, Nihilismus sowie der nicht abzutötende Wunsch nach einfachem Glück. Sie sprechen aus Albumtiteln wie "Christmas Drones for the Sad and Lonesome". Das neue Album heißt "To Be a Beast" und beruht, wie schon die letzten Arbeiten, auf Klavierminiaturen, die Spiluttini bis zur Unkenntlichkeit bearbeitet und verzerrt. Es entstehen dringliche kurze Stücke, die sich ein bisschen wie Popsongs anfühlen.

Einen Tag nach seiner Albumpräsentation im Rhiz stellt das neu zusammengestellte Trio Omerzell/Siewert/König im Porgy sein Debüt "Battleship Euphoria" vor. Die Musiker freilich zählen seit Jahren zu den Protagonisten des freieren Musizierens in Wien. Benny Omerzell und Lukas König sind zwei Viertel der aufregenden Jazz-und-anders-Band Kompost 3, König ist spätestens seit seinem Hip-Hop-Projekt Koenig überhaupt einer der vielseitigsten Musiker des Landes.

Ihnen zur Seite steht auf dem Schlachtschiff Euphorie der Gitarrist, Elektroniker und Soundspezialist Martin Siewert, der etwa in der Band Radian aktiv ist. Dass sich die Zusammenarbeit, obwohl sie auf einem Jazzlabel erscheint, Genrezuschreibungen entzieht, überrascht nicht; dass das Trio bei den in langen Impro-Sessions entstandenen Stücken immer wieder in bombastischen Progrock verfällt, dann aber doch.

Porgy & Bess, Di 20.30 bzw. Rhiz, Mi 22.00


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige