Bücher, entstaubt

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Politik | aus FALTER 12/17 vom 22.03.2017

Retts getrübter Blick zurück

Andreas Rett, Gründer der "Rett-Klinik" und als solcher von vielen bis heute als "Behindertenpapst" verehrt, versucht in diesem Buch eine Abrechnung mit der NS-"Rassenbiologie". Das Buch aus dem Jahr 1982 ist in vielerlei Hinsicht merkwürdig. So kommt etwa ein enger Berufskollege und Freund Retts, Walter Birkmayer, mit keinem Wort vor. Dabei war er ab 1939 Hauptstellenleiter im Rassenpolitischen Amt der NSDAP in Wien. Auch der NS-Euthanasiearzt Heinrich Gross wird nicht erwähnt. Dafür finden sich seitenlange Wiedergaben rassenkundlicher Beschreibungen und auch viel Verständnis für die damaligen Wissenschaftler. Hätten sie doch "mit dem neuen Regime eine gewaltige Aufwertung des eigenen Fachgebietes" erfahren.

Horst Seidler, Andreas Rett: Das Reichssippenamt entscheidet. Rassenbiologie im Nationalsozialismus. J&V, 1982, 296 S., im Antiquariat erhältlich


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