Film Neu im Kino

Ein Batzen Karl. Und noch einer. Braves Marx-Biopic

DREHLI ROBNIK | Lexikon | aus FALTER 12/17 vom 22.03.2017

Am Ende ein Schwarzweiß-Archivbild; abrupt folgt "Like a Rolling Stone". Zieht diese Filmbiografie den Hut vor "I'm Not There", Todd Haynes' Bob-Dylan-Geschichtsvexierfilm, der 2007 ganz ähnlich endete? Bevor im Abspann von "Der junge Karl Marx" der Stein los-und ein Polit-Historyclip von '68 über Finanzkrise bis Podemos abrollt, schreibt der lockige Titelstar mit Friedrich Engels in aufgewühlter Nacht seinen Superhit, das "Kommunistische Manifest", mit dem Gespenst, das in Europa umgeht. Gilt also I'm Not There? Ist das die Anrufung ferner Geister in unseren Tagen verschärfter Herrschaft, in denen Marx wie selten zuvor vermisst und im Bildungsmilieu eh wieder hip wird? Kommt der deutsch-französische Film also gerade zurecht?

Er kommt irgendwie zurecht -damit nämlich, Marx und Engels Rebel-Chic aufzuprägen: Zwischen Schach und Schnaps, Landesverweis und Fabrikantenvaterzoff, Volksrede und Sternstunde (Weltveränderungs-Feuerbach-Thesen-Einfall bei Sauf-und Kotzexzess) verläuft ein Buddymovie: Freche Freigeister in einer engen Welt, stilisiert zu Prankstern im Medien-Start-up-Projektstress (Gegenwartsbezug!). Sprich: Vom linken Kampf wird hier in liberalem Ton erzählt. Könnte schlimmer sein (siehe RAF-Kino der Nullerjahre).

Raoul Peck, versiert in dekolonialem Historienfilm, inszeniert kompetent. Ehefrauen haben Dialog (was nicht gleich feministisch ist). Manches bewegt. Go, Karli: August Diehl spielt ihn gehetzt, Olivier Gourmet den Proudhon ruhig; Bakunin tritt auf, Courbet, andere Promis. Ausstattung normal. Das Gegenteil von I'm-Not-There-Politik: Alles ist da, zur Didaktik versammelt. Mit Marx gesagt: nicht mit Klasse, weil bieder, nicht als Klasse, weil ohne Kampfgeist, alles nur Addition (Namen, Orte), so wie ein Sack von Kartoffeln einen Kartoffelsack bildet.

Ab Fr in den Kinos


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