Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Weniger wild


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Falter & Meinung | aus FALTER 12/17 vom 22.03.2017

Hainburg, Mochovce, Lambach (das "Hainburg an der Traun") und Gentechnik - das waren Kampagnen- und Titelthemen der Kronen Zeitung. Klaus Werner (heute Klaus Werner-Lobo) schrieb die Falter-Titelgeschichte über die grünen Ziele des Massenblattes. Und weil sich dessen Herausgeber Hans Dichand im Gespräch auf Peter Sloterdijk berief, interviewten Heidi Lackner und Klaus Werner den Philosophen.

"Solche Medien", sprach Sloterdijk, "sind von Grund auf, bis in die innerste Phase hinein, opportunistisch. Die können nicht grün sein, weil Grünsein ein Prinzip ist. Der grüne Standpunkt ist wirklich ein Standpunkt im Sinne eines Überzeugungssystems, das auch eine philosophische Würde haben kann. Würde ist das, was man nicht über Nacht verlieren kann."

Der Chefredakteur setzte noch eins drauf und schrieb über die Allianzen zwischen Krone und grünen NGOs: "Die Umweltorganisationen (...), die nicht von ungefähr mit klapprigen Kähnen und schnuckeligen Schlauchbooten gegen Ölplattformen und Walfänger aufkreuzen, agieren (in ihren Allianzen mit dem Boulevard) quasi mit kommunikativen Atom-U-Booten, mit hochtechnokratischer Kommunikation. Die naheliegende Idee, bei der ökologischen Neuerfindung der Gesellschaft auch die Regeln der Massenkommunikation neu zu erfinden, verdrängen sie geschickt."

Harte Vorgaben, das. Und heute sind wir alle natürlich ganz anders (zwinker). Ein junger Wirtschaftsforscher namens Markus Marterbauer forderte in einem großen Kommentar eine europäische Wirtschaftsunion, die sich nicht nach deutschen Vorgaben (also Sparzwang, damals sagte man Preisstabilität) richten, sondern auf sozialen Zusammenhalt achten sollte.

Und zum 100. Geburtstag des Psychiaters Wilhelm Reich interviewte Klaus Nüchtern den Schriftsteller Robert Schindel, zu 68er-Zeiten führendes Mitglied der Kommune Wien und also befugte Auskunftsperson für sexuelle Revolution oder was man dafür hielt. Schindel: "Es war alles immer ein bisserl weniger wild, als die Zeitungen geschrieben haben."


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