Kommentar Kulturpolitik

Die Albertina im Künstlerhaus: überflüssig wie ein Kropf


Matthias Dusini
Falter & Meinung | aus FALTER 12/17 vom 22.03.2017

Am Ende zahlt immer der Staat. Diese Binsenweisheit der Public-private-Partnership bewahrheitet sich auch im Fall des Künstlerhauses. Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder vertraute dem Standard an, dass er zusätzliches Geld brauche, um die neue Außenstelle zu bespielen.

Dabei hatte alles so gut begonnen. Der Industrielle Hans Peter Haselsteiner hatte die Sammlung von Karlheinz Essl gekauft und der Albertina als Leihgabe übergeben. Außerdem hatte er das marode Künstlerhaus übernommen und will 30 Millionen Euro in die Sanierung stecken.

Dann kam das böse Erwachen. Zum einen wurde klar, dass Haselsteiner gar nicht vorhat, für die Sammlung Essl in die eigene Tasche zu greifen. Er nahm einen Kredit auf, den er durch Verkäufe von Werken abzahlen will. Dann schaffte er sich die Spesen für die Betreuung der Kunst vom Hals, indem er sie der Albertina anvertraute. Kulturminister Thomas Drozda ließ sich vom Begriff "Dauerleihgabe" blenden und zahlt der Albertina 1,1 Millionen für eine Kollektion, deren Hauptteil aus Werken der lokalen Malereigeschichte besteht.

Auch im Künstlerhaus zog Haselsteiner seine Partner über den Tisch. Für 30 Millionen kaufte er zwei Drittel eines Palais in Bestlage. Zuerst hieß es, er werde die Betriebskosten übernehmen. Wenn nun, wie vom Standard berichtet, zusätzlich 1,2 Millionen Euro Steuergeld in das Programm fließen sollen, kann von Großzügigkeit keine Rede mehr sein.

Das Künstlerhaus unter der Ägide der Albertina, auf Staatskosten bespielt mit Ausstellungen über österreichische Malereigeschichte. Überall sonst würde man das einen überflüssigen Kropf nennen, in Österreich heißt es private Kunstförderung.


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