Alles inklusive

Österreich will in den nächsten Jahren die Sonderschulen abschaffen. Ein richtiger Schritt. Aber vielen macht er noch Angst

Anamnese: Sibylle Hamann | Stadtleben | aus FALTER 12/17 vom 22.03.2017


Foto: Heribert Corn

Emil ist elf Jahre alt. Er spielt Fußball und tanzt sehr gut, auch auf großen Bühnen. Zusammenhängende Geschichten zu erzählen fällt ihm schwer, der Wortschatz dafür fehlt ihm. Es wird auch noch eine Weile dauern, bis er lesen kann. Diese Lernbehinderung liegt an seinem dreifach vorhandenen 21. Chromosom. Emil hat Trisomie 21, das sogenannte Down-Syndrom.

Emil ist selbstverständlich, wie alle Kinder seines Alters, schulpflichtig. Er wird nicht nach dem normalen Lehrplan unterrichtet, sondern nach einem Lehrplan der Sonderschule. In der Generation seiner Eltern war es noch normal, dass dies in spezialisierten Einrichtungen geschieht, in eigenen Gebäuden, mit eigens dafür ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern, die ausschließlich für Kinder mit Behinderungen da sind. Emil hingegen geht, wie mittlerweile 62 Prozent aller „Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf“, wie das heute heißt, in eine normale öffentliche Pflichtschule – in eine Integrationsklasse mit 16 „normalen“ und vier sogenannten „I-Kindern“. Dafür gibt es eine zweite Lehrkraft, die permanent in der Klasse ist. Was – wenn das Lehrerteam gut zusammenarbeitet – „I-Klassen“ für alle attraktiv macht.

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