Erscheinungen Personen, Trends, Kampagnen

Christian Kerns neuer Inseratekurs

Bewertung: Benedikt Narodoslawsky | Medien | aus FALTER 12/17 vom 22.03.2017

Werner Faymann bekam das Image des Boulevardkanzlers nie los. Der ehemalige Wiener SPÖ-Wohnbaustadtrat hatte es mit Schützenhilfe der Boulevardblätter Kronen Zeitung, Österreich und Heute zum Bundeskanzler gebracht. Er bedankte sich auf seinem Karriereweg nach oben mit einer Fülle an Inseraten und ließ sie mit Steuergeld bezahlen.

Sein Nachfolger Christian Kern bekam daher gleich in seinem ersten "ZiB 2"-Kanzlerinterview von Moderator Armin Wolf die Kanzler-Gretchenfrage gestellt: Wie hältst du's mit dem Boulevard? Kanzler Kern, der zuvor erklärt hatte, dass das Land eine andere Form der Politik brauche, gab eine hoffnungsvolle Antwort: "Unsere vorrangige Aufgabe ist es nicht zu inserieren, sondern Politik zu machen, Taten zu setzen und klar identifizierbar zu machen, was wir für dieses Land tun."

Wie viel die Politik inseriert, lässt sich dank der Medientransparenzdatenbank feststellen. Mitte Mai 2016 wurde Kern Kanzler, im dritten Quartal des Jahres schien es so, als würde sich sein neuer Stil niederschlagen. Seit der Meldepflicht Mitte 2012 war es das sparsamste Quartal gewesen. Das Tauschprinzip "öffentliche Inserate gegen freundliche Berichterstattung in den Boulevardblättern" schien passé. Nun liegen die Zahlen für das vierte Quartal 2016 in der Medientransparenzdatenbank vor. Ergebnis: Dieses Quartal war das drittteuerste seit Beginn der Meldepflicht Mitte 2012. Das Bundeskanzleramt von Christian Kern und Medienminister Thomas Drozda hatte seine Ausgaben im Vergleich zum Quartal davor mehr als verdoppelt - von 312.000 auf 778.000 Euro. Neben dem Boulevard bekam allerdings auch die Qualitätspresse mehr Geld.


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