Kommentar Kulturpolitik

Licht aus am Karlsplatz: Kein Kino unter Sternen 2017

Michael Omasta | Falter & Meinung | aus FALTER 13/17 vom 29.03.2017

Mitte vergangener Woche erreichte die Freunde und Medienpartner des Kinos unter Sternen ein E-Mail: Das traditionell ab Ende Juni stattfindende Open Air am Karlsplatz ist abgesagt. Unvermeidbar wurde dieser Schritt, schreibt Kuratorin Judith Wieser-Huber, durch die im Herbst letzten Jahres neu strukturierte Filmfestival-Förderung der Stadt Wien.

Die Neuerung bestand im Wesentlichen in der Einsetzung eines Beirats (der Falter berichtete), der zweimal jährlich über die Einreichungen der mehr als 20 Filmfestivals in der Stadt entscheidet und zudem erhöhte Transparenz gewährleisten soll.

So weit die Theorie. In der Praxis ging schon die erste Runde (im Herbst wurde über die Einreichungen für die Festivals der ersten Jahreshälfte 2017 befunden) alles andere als reibungslos vonstatten. Vertreter des Forums österreichischer Filmfestivals kritisierten Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny scharf, weil dieser sich in etlichen Fällen über die Empfehlungen seines Beirats hinwegsetzte, und sprachen von einer "Farce".

Wieser-Huber wurde auf den zweiten Einreichtermin Mitte Februar verwiesen. Was man im Kulturamt nicht dazusagte, war, dass es dann bis Ende April dauern würde, ehe die Förderzusagen bekannt gegeben werden. Dem Kino unter Sternen blieben dann keine zwei Monate mehr, das Festival auf die Beine zu stellen. PR, Sponsoring und qualitätsvolles Programm sind unter solchen Bedingungen schlicht unmöglich.

Natürlich haben Kulturveranstalter nicht Anspruch auf Förderung bis in alle Ewigkeit. Doch nach 20 Jahren guter und erfolgreicher Arbeit zum Opfer einer semiprofessionell agierenden Kulturpolitik zu werden, haben sie erst recht nicht verdient. F


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