Ohren auf Von Moskau bis L.A.

Wider das Vergessen -Musik aus dem Exil

Miriam Damev | Feuilleton | aus FALTER 13/17 vom 29.03.2017

Mieczysław Weinberg? Dieser Name war bis vor Kurzem bestenfalls Kennern ein Begriff. Zu lang ist der Schatten, den sein Förderer und Freund Dmitri Schostakowitsch auf die Musik der Sowjetunion warf. 1919 in Warschau geboren, floh Weinberg mit 19 vor der Wehrmacht erst nach Minsk und später nach Taschkent, ehe ihn Schostakowitsch 1943 schließlich nach Moskau holte, wo er bis zu seinem Tod 1996 lebte. Zu seinen wichtigsten Fürsprechern gehört Gidon Kremer, der nun das ausgezeichnet musizierte Doppelalbum "Mieczyslaw Weinberg: Chamber Symphonies" (ECM) mit den vier Kammersymphonien sowie einem Arrangement des Klavierquintetts veröffentlicht hat: unglaublich packende Musik, eine Lebensgeschichte in Tönen.

Man kennt ihn vor allem als Schönberg-Schüler und als Komponisten der DDR-Hymne, dabei zählt die Zeit im amerikanischen Exil zu den produktivsten in Hanns Eislers Leben. Hier komponierte er auch Filmmusik für Hollywood - sein Soundtrack zum Fritz-Lang-Film "Hangmen Also Die" (Drehbuch von Bertold Brecht) wurde gar für den Oscar nominiert und ist neben anderen raren Film-und Orchestermusiken auf dem Album "Hanns Eisler: Film Music" (Capriccio) vertreten. Unter der Leitung von Johannes Kallitzke spielt das RSO Berlin Eislers originelle Kompositionen zwischen wuchtigem Orchestersound, herben Zwölftonpassagen und spätromantischen Klangwelten.

Jüdische Komponisten im Exil stehen im Mittelpunkt von Ophélie Gaillards Album "Exil" (Aparté). Von Ernst Blochs berühmter Rhapsodie Schelomo und Korngolds selten gespieltem Cellokonzert op. 37, über Prokofjews Ouvertüre zu hebräischen Themen, die der Komponist für seine ehemaligen jüdischen Mitschüler aus St. Petersburg schrieb, bis zu jüdischen Traditionals gibt es hier ein fein musiziertes Programm, das man so nicht oft zu hören bekommt.


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