Dinnertheater trifft Streeruwitz: Weniger Cancan, mehr Feminismus


Theaterkritik: Martin Pesl
Lexikon | aus FALTER 13/17 vom 29.03.2017

Dinnertheater geht auch ohne "Palazzo". Theaternyx serviert auf einer riesigen Tafel erst Rot-oder Weißwein, Wasser und Brot. Dann wird das Licht gedimmt, und nur einzelne Plätze von einem Spot bestrahlt. Die dort Sitzenden erzählen dann von Menschen, die ihr Steckenbleiben in einem unbefriedigenden Frauenleben reflektieren: Isabella, Andrea, Ulrike und Christian (ein Papa wie eine stereotypische Mama).

Es geschieht in den gewählten Worten Marlene Streeruwitz', die diese fiktiven Porträts 2011 im Erzählband "Das kann mir alles nicht passieren

Wie bleibe ich Feministin" veröffentlicht hat. Zwischendurch wird Abendessen in hippen Weckgläsern serviert, Couscous mit Garnelen und eine Panna cotta. Köstlich. Und natürlich Bestechung. Denn wer wird beschwipst und gesättigt bekritteln, dass es sich Claudia Seigmann und Markus Zett von Theaternyx künstlerisch eher leicht gemacht haben?

Sie wechseln, freundschaftlich plaudernd, ihre Erzählmonologe mit den Performerinnen Dorit Ehler und Susanne Gschwendtner ab, und das war's, mehr passiert nicht. Alle sprechen sauber, nuanciert und leicht ironisierend, die Verstärkung durch Mikros erlaubt, auf den Nachdruck der Bühnensprache zu verzichten. So unverbindlich wie ihr freundlicher Ton sind die auf die Tischdecke gekritzelten Fragen wie "Woher rührt meine Urteilskraft?". Zwar erhält man zum Mahle einen Stift, um Antworten aufzuschreiben, die Inszenierung aber nimmt nie davon Notiz. Nach dem Dessert endet das Theater abrupt, die Bestechung geht weiter: "Wer noch bleiben will, es gibt Whisky."

Salzburg, ARGE Kultur, Mi, Do 19.30


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige