Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Die beste Kamera der Welt der Woche


Klaus Nüchtern
Feuilleton | aus FALTER 13/17 vom 29.03.2017

Vor einiger Zeit haben der Corn und ich einander Shoppingassistenz geleistet, weil: Ich versteh nix von Kameras, und er hat eine Anziehsachenabneigung. Der Corn kauft Gewand mit derselben ästhetischen Feinsinnigkeit wie adipöse Amis Tiefkühlkram, bloß dass er modemäßig Anorektiker ist: Zwei Hosen, ein Jopperl und drei Pullis müssen dann für die nächsten fünf Jahre reichen.

Es gibt Menschen, die essen, damit sie satt werden, ziehen sich was an, damit sie nicht nackig sind, und brauchen eine Kamera, damit sie in der Gegend rumknipsen können. Der Fotohändler von Corns Vertrauen hat sofort erkannt, was ich für einer bin. So einem verkauft man doch keine Spiegelreflex! "Die stecken S'dann eh nie ein." Alternative: Systemkamera mit einem Teleobjektiv, das physisch und preislich in der Panzerfaustliga rangierte.

Schließlich wurde dann noch eine Kompaktkamera angeboten, angesichts deren Designs Corn semidezente Kotzgeräusche hervorwürgte, die angesichts erster Zoomversuche auf der Gasse aber jäh verstummten, denn mit dem 83-fachen optischen Zoom kann man Aufnahmen anatomischer Details von Menschen machen, deren geschlechtliche Identität mit freiem Auge nicht einmal zu erraten ist. Selbst Personen, deren Neigungen fest im sittlichen Fundament evangelikaler Sekten verankert schienen, werden von der Nikon Coolpix 900 ansatzlos in Hardcore-Voyeure verwandelt. Das Zoom fängt entfernte Motive so sicher ein wie der ehemalige spanische Torwart Zubizarreta den ärgsten Flatterball.

Dass ich ein solches Gerät hauptsächlich als Zilpzalpzuwezahra verwende, sprich: zum Vogerlknipsen, glaubt mir keine Sau. Die Lobau werde ich im Sommer also meiden, sonst gibt's garantiert eine aufs Maul.


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