Erscheinungen Personen, Trends, Kampagnen

Die Künstlerin und das Mädchen

Bericht: Benedikt Narodoslawsky | Medien | aus FALTER 13/17 vom 29.03.2017

Ida Ekblad ist eine zeitgenössische Künstlerin aus Norwegen, sie malt, performt und formt Skulpturen. Im Kunsthaus Hamburg lief vergangene Woche ihre Ausstellung "Diary of a Madam" aus, den Besuchern wurde ihr Stil dabei so vorgestellt: "Dieser unhierarchische künstlerische Umgang mit dem visuellen Repertoire -vielfach aus populären und alltäglichen Kontexten -einer jüngeren Vergangenheit kann im Sinne einer 'open source'-Mentalität verstanden werden, ganz ohne die Intention, bewusst zitieren oder kommentieren zu wollen."

Genau das könnte der Künstlerin nun zum Verhängnis werden. Denn in einem ihrer Kunstwerke zitierte Ekblad ein Werbefoto der Schlapfenfabrik Birkenstock. Wie die Welt am Sonntag berichtet, soll es sich bei dem Werbesujet ausgerechnet um die sechsjährige Tochter des Birkenstock-Chefs Oliver Reichert handeln. Dieser geht nun juristisch gegen die Künstlerin vor. Mitte März traf im Kunsthaus Hamburg eine richterliche Aufforderung ein, die Abbildung abzuhängen. Allerdings war das unmöglich, deshalb musste vorübergehend die gesamte Ausstellung geschlossen werden.

Der Fall ist medienrechtlich spannend, schließlich wirft er zwei Fragen auf: Wie weit geht die Kunstfreiheit? Und wie weit reicht der Schutz von Bildrechten? Die Künstlerin Ekblad hatte das Bild von Reicherts Tochter angeblich verwendet, weil es ihren eigenen Kindheitsbildern sehr ähnlich sieht. Ekblad tauschte es deshalb daraufhin mit einem Foto aus ihren Kindertagen aus. Ausgestanden ist der Fall dennoch nicht. Er soll Anfang April am Hamburger Landgericht verhandelt werden. Der Fotograf der Werbekampagne klagte außerdem auf Verletzung des Urheberrechts. F


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