Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Benedikt Narodoslawsky | Falter & Meinung | aus FALTER 13/17 vom 29.03.2017

Das Schönste an der Falter-Redaktion ist das Deckenfresko hinter der Haustür. Wer im Gang seinen Kopf in den Nacken legt, blickt in eine atemberaubende Welt: flatternde Vögel, blondgelockte Engel und steinerne Löwenköpfe, ins Horn blasende Fabelwesen und durch die Luft wirbelnde Teufelchen, darunter eine Nackte, die aus Ornamenten blüht. Fantasie in Symmetrie. Hat sicher alles eine Bedeutung. Und der Stil sicher einen Namen. Aber auch Ahnungslose erkennen: Das ist schön!

Der Rest des Gebäudes ist auch okay, das herzförmig geschwungene Gusseisengeländer oder der altehrwürdige Lift, für den die Falter-Mitarbeiter keinen Schlüssel haben. Wer durch die Redaktion streift, hat das Beste aber schon am Anfang gesehen.

Der Anfang muss ein "Reinzieher" sein, das ist auch bei Texten so. Im besten Fall macht er dem Leser die Tür weit auf zu einer atemberaubenden neuen Welt.

"Da ist eine Baustelle, die nicht und nicht fertig wird, das Krankenhaus Nord", eröffnet Birgit Witt stock die Politik. "Den Kreisky-Preis für mein Gesamtwerk zu erhalten, stimmt mich froh und nachdenklich zugleich", sind die ersten Worte von Armin Thurnhers Preisrede (Medien). Mit "Eine Strophe" lockt Gerhard Stöger seine Leser ins Feuilleton. Wojciech Czaja heißt Sie mit dem Satz "Der Franz-Josefs-Bahnhof sei ein Wal" im Stadtleben willkommen, Irena Rosc beginnt das Landleben mit: "Das Frühjahr und die Zeit um Ostern ist die Zeit der Eier." Nur wem nichts einfällt, muss auf eine abgedroschene Regel für erste Sätze zurückgreifen: Superlative gehen immer.


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