Kunst Kritik

Wiederentdeckt: Der Maler des Sandalenfilms

NS | Lexikon | aus FALTER 13/17 vom 29.03.2017

Die britische Upperclass liebte seine Römerschinken ebenso wie die Filmsetdesigner Hollywoods, die kräftig von den Gemälden abkupferten: Der in Friesland geborene Maler Lawrence Alma-Tadema erlebte im viktorianischen England eine Blitzkarriere mit Bildern eleganter Toga-Träger und prägte das Genre des Sandalenfilms. Kitsch hin oder her, die aktuelle Koproduktion des Belvedere mit dem Fries Museum in den Niederlanden und dem Leighton Haus in London macht mit einer spannenden, weil nicht nur auf die Kunst allein beschränkten Laufbahn bekannt.

Auf seiner Hochzeitsreise lernte Alma-Tadema die archäologischen Ausgrabungen in Pompeji kennen und seither ließ ihn die Faszination für den antiken Lebensstil nicht mehr los. Die Schau zeigt mit Möbeln, Fotos und Zeichnungen anschaulich, wie der Künstler seine Londoner Wohnhäuser samt Gärten im neoklassizistischen Stil ausstattete. Alma-Tadema inszenierte sich zwar offensichtlich wie ein Malerfürst à la Hans Makart oder Franz von Stuck, aber seine intimen Familienporträts lassen ihn weniger aufschneiderisch als seine Kollegen rüberkommen. Einige Bilder der Ausstellung stammen von seiner Frau Laura, die auch eine gefragte Künstlerin war.

Am sonnigen Meer sitzen, Liebesbriefe lesen oder Goldfische füttern: Reiche Müßiggänger bevölkern Alma-Tademas Gemälden, in denen vor allem die minutiöse und fast haptische Oberflächengestaltung von Mosaikböden, Marmorbänken oder Raubtierfellen fesselt. Seine damaligen Sammler sahen sich selbst in diesen edlen Patriziern. Der Salonmaler widmete sich aber auch großem Stoff: 2010 konnte Sotheby's seine Bibelszene "The Finding of Moses" um 36 Millionen Euro versteigern und Alma-Tadema so zum teuersten Künstler der Epoche krönen. Die üppige Szene am Nil mit Pharaonentochter und Baby im Körberl ist jetzt auch zu sehen.

Eine visuelle Wucht ist Alma-Tademas Hauptwerk "The Roses of Heliogabalus", in dem die Feinde eines römischen Kaisers unter einer Flut an rosa Blättern erstickt werden. Auch wer sich nicht für Monumentalfilme wie "Quo vadis?" oder "Gladiator" erwärmt, wird im letzten Raum der Schau gefesselt sein, wo Gemälde und Filmszenen miteinander verglichen werden können.

Unteres Belvedere, bis 18.6.

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FALTER 03/19

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