Pop Tipps

Diskurspop mit Schmutz unter den Fingernägeln

GS | Lexikon | aus FALTER 13/17 vom 29.03.2017

Namen sind Schall und Rauch, heißt es. Schall passt hier auf alle Fälle, Rauch nicht ganz: Friends Of Gas ist ein Quintett aus München, das deutschsprachigen Rock ohne Deutschrock, Diskurspop ohne Schwurbel und Tanzmusik für Verhaltensauffällige spielt. Der Rhythmus ist am Noise geschult, hält sich in Sachen Aggressivität trotz steten Gebrodels unter der Oberfläche aber zurück, die Gitarre ist auf Krawall aus, muss aber nicht gleich mit dem Kopf durch die Wand. Und die Sängerin könnte beim flüchtigen Erstkontakt als lasziv missverstanden werden, sagt eigentlich aber "Komm mir bloß nicht deppert":"Keine Einheit! Keine Zweiheit! Keine Dreiheit! Keine Vierheit! Keine Fünfheit!"

Die Texte sind knapp bis fragmentarisch; das tolle Debüt "Fatal Schwach" ist im Herbst letzten Jahres beim Berliner Label Staatsakt erschienen. "Wenn Friends Of Gas den Perser betreten, verbreitet sich sogleich ein benzindurchwirkter Lufthauch, der irgendwie geil, aber auch abstoßend ungesund riecht", lässt die Band in ihrer Selbstbeschreibung verlauten. Dazu als Support erstklassige Neo-Postpunk-Frühachtziger-Düsternis mit Drive statt Larmoyanz vom Wiener Trio Crystal Soda Cream.

Venster99, Mo 20.00


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