Theater Kritik

Wort-und Wasserspenden auf dem Weg zur Wahrheit


MP
Lexikon | aus FALTER 13/17 vom 29.03.2017

Bei den alten Griechen gehörte ein guter Kampf der Argumente zu den rauschhaften Genüssen wie Wein, Götteropfer und Männerliebe. Platons Dialoge in Erinnerung an seinen Freund und Lehrer Sokrates (469-399 v. Chr.) sind unsterblich: Wie Sherlock Holmes hielt der schelmische Alte seine Freunde mit logischer Deduktion in Atem. Im "Gastmahl" verteidigen alle Beteiligten der Reihe nach den Eros, ausnahmsweise ohne Trinkpflicht, dafür mit Wasserspender -und Sokrates argumentiert sie alle unter den Tisch. Später zum Gifttod verurteilt, beweist er in "Phaidon" seinen Kumpanen Schritt für Schritt, warum die Seele (also auch seine) unsterblich ist.

Da unbestechliche Logik faszinierend, aber nicht gerade sinnlich ist, bemüht sich Regisseur Stephan Müller in seiner szenischen Umsetzung der beiden Dialoge unter dem Titel "Platons Party" leidlich, den Debattierklub zu erotisieren. Beim "Gastmahl" geben sich die fünf Männer zwischen den Reden ekstatischem Discotanz zu Videoclips von Sophie Lux hin. Besonders Merlin Sandmeyer und Michael Masula dürfen ihre Verehrung des Gottes Eros körperlich extrovertiert demonstrieren, mehr noch schmunzelt man über die Agilität, aber auch die kurze Puste der altgedienten Burgschauspieler Hermann Scheidleder und Martin Schwab.

Nach der Pause geht es puristischer zu: Sandmeyer und Daniel Jesch begleiten Sokrates Schwab durch seinen letzten Lebenstag. Bei der argumentativen Wahrheitsfindung helfen live auf den Boden gezeichnete Diagramme. Da die Spieler viel Text in den auf der Bühne bereitliegenden Skripten nachlesen (müssen), fällt auf, dass sich die ganze Inszenierung nicht sehr weit von einer ironisch distanzierten Lesung entfernt, eben so eine zum Schmunzeln. Dabei hätte der beinharte Sokrates auch einen mutigeren Zugriff locker überstanden. Burgtheater-Kasino, Sa 20.00


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