Flut im Flex, Wurm im Leopold

Anna Goldenberg Barbara Tóth Katharina Seidler | Kolumnen/Zoo | aus FALTER 13/17 vom 29.03.2017

Diese Band hat es geschafft, noch vor der Veröffentlichung einer Platte zum Hype zu werden. Am Vorabend der Release-Party ihrer ersten EP "Nachtschicht" waren die Oberösterreicher Flut dann noch in "Willkommen Österreich" zu Gast, damit war der Fame für ein gut gefülltes Flex am Mittwoch letzte Woche besiegelt. Vertreter der heimischen Musikszene von Musikmanager Hannes Eder bis Superproduzent Patrick Pulsinger waren da, um eine maßstabsgetreue Nachbildung der 1980er-Jahre in Trenchcoat und Musterhemd zu sehen. Auch den Neos-Abgeordneten Niko Alm und Medienmenschen von Vice über The Gap bis FM4 erspähen wir im Publikum.

Flut selbst konnten die hohen Erwartungen diesmal nicht erfüllen. Ihre Show zwischen 16 flimmernden Röhrenfernsehern geriet zu bierzeltlastig und lässig-selbstbewusst, was besonders bei ihrer komplett verhauten Coverversion des Falco-Klassikers "Auf der Flucht" schmerzte. Songs wie die ehemalige FM4-Nummer-eins "Linz bei Nacht" oder die neue Single "Sterne" kommen an das erste Lebenszeichen der Band, das bezaubernde "Tiefschlaf", nicht heran und sind von Neue-Deutsche-Welle-Schlagern der mittleren 80er kaum zu unterscheiden. Aber die sind ja noch so jung! Da kommt sicher noch einiges.

Die Werke des Künstlers Erwin Wurm sind super, vor allem, wenn man Kinder hat. Sie lassen sich nämlich angreifen, manchmal sogar besteigen und nachstellen. Die Älteren können sich als One Minute Sculpture auf Instagram verewigen. Wurms jüngste Ausstellung im Leopold Museum wurde vergangenen Freitag eröffnet. "Köstlich! Köstlich?" heißt sie, und Wurm wagt den Dialog mit dem deutschen Maler Carl Spitzweg.

Zwar trennen die beiden Herren knapp 150 Jahre, doch Direktor Hans-Peter Wipplinger spannt locker den Bogen: "Beide sind genaue und kritische Beobachter gesellschaftlicher Phänomene. Beide verwenden den Aspekt des Humors, um die Mängel ebendieser aufzuzeigen." Spitzwegs berühmter Bücherwurm -eine Persiflage auf den Büchermenschen -steht Wurms One Minute Sculpture "Take your most loved philosophers" gegenüber. Dafür darf man sich Philosophiebücher zwischen die Arme und Beine klemmen, bis man ganz Skulptur geworden ist. Ausprobieren konnten das die Eröffnungsgäste, unter ihnen ExKulturminister Josef Ostermayer, Musiker Hubertus Hohenlohe und KHM-Direktorin Sabine Haag.

Vor 80 Jahren gründete der polnisch-jüdische Violinist Bronislaw Huberman ein Orchester im damaligen Palästina, das aus jüdischen Musikern aus ganz Europa bestand, die so den Holocaust überlebten. Unter ihnen waren auch neun Österreicher. Seit kurzem hat das Israel Philharmonic Orchestra hier einen Freundschaftsverein, der bei einem Festakt im Palais Schönburg am Samstag um zahlungs-und musikaffi ne Mitglieder warb. Vereinsmitbegründerin Chen Reiss sang, Julian Rachlin und Sarah McElvary geigten auf, Ex-Philharmoniker-Vorstand Clemens Hellsberg sprach schön und lange. Ein sichtlich gerührter Rudolf Buchbinder erhielt die Ehrenmitgliedschaft des IPO. Bei Häppchen und Wein erspähte man Arik Brauer, Ott o Schenk, die israelische Botschafterin Talya Lador-Fresher und OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige