"Stirb langsam, Öffentlichkeit!"

Ansprache, gehalten zur Verleihung des Bruno-Kreisky-Preises für das bisherige Gesamtwerk


Rede: Armin Thurnher
Medien | aus FALTER 13/17 vom 29.03.2017


Armin Thurnher bei der Verleihung des Bruno-Kreisky-Preises am 22. März im Wiener Rathaus (Foto: Walter Henisch Fotografie)

Erika Weinzierl, Marie Jahoda, Marion Gräfin Dönhoff, Ryszard Kapuściński, Jorge Semprun, Jürgen Habermas, Gerda Lerner, Saul Friedländer, Alexander Kluge, Oskar Negt, Kurt W. Rothschild, Christine Nöstlinger, Imre Kertész – das sind die Namen nur einiger der bisherigen Kreisky-Preisträger und -Preisträgerinnen für das Gesamtwerk. Laudator Alfred Gusenbauer, Präsident des preisverleihenden Renner-Instituts, zählte sie auf. Seinen Namen in einer solchen Reihe stehen zu sehen, ist ehrenvoll und kann einen schwindlig machen. Auch und gerade, wenn dies in einer Zeitenwende geschieht. Gusenbauer stellte das Jahr 2017, das Jahr der Trump-Präsidentschaft, in seiner brillanten Laudatio in eine Reihe mit anderen Wendejahren wie 1945 und 1989. Er zeigte, wie sehr es darauf ankommt, durch welches Prisma man die Welt betrachtet, ob durch ein soziales oder durch ein neoliberales.

In meiner Dankesrede, die hier um einige in der gesprochenen Version entfallene Passagen ergänzt wurde, setzte ich mich mit dem Problem des verschwundenen Resonanzraums der Politik auseinander.

Den Kreisky-Preis für mein Gesamtwerk zu erhalten, stimmt mich froh und nachdenklich zugleich. Froh macht mich der Namensgeber. Nachdenklich macht mich der Begriff Gesamtwerk. Lebenswerk wäre die Höchststrafe, dankbar erkenne ich die im Wort Gesamtwerk steckende Abmilderung.

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