Kabarett Tipps

Drei deutsche Humorheldinnen auf Wien-Ausflug


MP
Lexikon | aus FALTER 14/17 vom 05.04.2017

Der Stadtsaal veranstaltet diese Woche ein - ungekennzeichnetes - vorösterliches Festival der deutschen Erfolgskabarettistinnen. Am Samstag gastiert Lisa Fitz erstmals mit ihrem neuen musikalischen Programm "Weltmeisterinnen - gewonnen wird im Kopf", mit dem sie seit 2015 große Hallen füllt, in Wien. Die 66-Jährige kennen die meisten noch aus der Blütezeit deutschen Privatfernsehens: Ihr Dialekt ist breit bayerisch, ihr Humor direkt, politisch und manchmal einfach nur tiefschwarz. Im Programm verkörpert Fitz vier Frauen, die sich für die Königinnen ihrer eigenen Mikrokosmen halten.

Ebenfalls aus Bayern stammt Martina Schwarzmann, die wesentlich jünger (35), im Stadtsaal aber keine Unbekannte ist. Auch ihr fünftes Programm "Gscheid gfreid" hat sie hier vor einigen Jahren schon einmal gespielt. Schwarzmann liebt mehr die Poesie des Alltags denn die zünftige Politik und hat dennoch schon den Deutschen Kabarettpreis, den Deutschen Kleinkunstpreis und ähnliche Lorbeeren abgesahnt. Am Montag und Dienstag kehrt sie mit Betrachtungen und Besingungen von Chamäleonwürsten und Brotzeitbrettln wieder.

Am Mittwoch schließlich soll es wieder annähernd politisch werden, wenn die US-Amerikanerin Gayle Tufts, Jahrgang 1960, die seit 25 Jahren in Berlin lebt, das deutsch-amerikanische Verhältnis aufdröselt und vor allem etwas tut, was alle derzeit versuchen: Donald Trump erklären. Auch ihr neues Programm "Superwoman" greift auf die Kunstsprache Denglisch zurück, die Deutsch ist, wenn man genau hinhört, aber Englisch klingt, wenn man abdriftet.

Während bei uns erst neuerdings immer mehr Kabarettistinnen mit vielfältigen, originellen Programmen in Erscheinung treten, sind die Deutschen diesbezüglich - so scheint es uns der Stadtsaal mit dieser Häufung vorführen zu wollen - längst viel weiter.

Stadtsaal, Sa, Mo-Mi 20.00


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