Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Das beste Saisongebäck der Welt der Woche


KLAUS NÜCHTERN
FEUILLETON | aus FALTER 14/17 vom 05.04.2017

Das Gute an Jahreszeiten und verwandten saisonalen Ereignissen ist, dass diese einen Anfang und ein Ende haben. Nun verhalten sich der meteorologische und der astronomische Frühling bekanntlich nicht immer wie Synchronschwimmer auf Goldmedaillenkurs, aber es passiert auch selten, dass im Februar die Marillen blühen und im Mai schon von den Bäumen purzeln.

Ähnlich schicken die Schubstängel des Spargel unterschiedlich früh zum Schieben sich an, aber zur richtigen priapischen Pracht gelangen sie erst in der zweiten Aprilhälfte. Weswegen man auch nicht schon Mitte März Spargelrisotto mit kandierten Erdbeeren, Balsamicoreduktion und Bergkäsespänen vom Andenschaf futtern muss, echt nicht.

Das gilt fauch für phänologisch autarke Speisen. Mehl, Milch, Eier und Butter gibt's rund ums Jahr, aber die Osterpinze heißt aus guten Gründen Osterpinze und nicht Epiphania-Pinze, weswegen die Kirche ruhig mal ein scharfes Wort gegen den gotteslästerlichen Unfug unserer Backfilialen richten sollte, die seit Wochen praecoctisch Pinzen feilbieten. Indes: Konsumiert zur rechten Zeit, verhindert die Pinze manch Herzeleid. Dafür braucht man eine außen appetitlich fett glänzende, innen safrangelbe, mürbe Pinze, eher klein und kompakt als x-large und ganz gewiss nicht eingeschweißt in Kunststoffkram.

Mit einem scharfen Wellenschliffmesser wird das Germgebäck in zwei Hälften geschnitten und mit zimmerwarmer Butter bestrichen, denn nichts zerrüttet die menschliche Psyche so sehr wie der sinnlose Versuch, halbgefrorene Butterklötzchen auf eine aufgeschnittene Pinze schmieren zu wollen. Hernach wird nicht zu süße Marillenmarmelade auf eine der Hälften geschmiert, und die Auferstehung kann kommen!


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