Film Neu im Kino

Lagerkoller im Kugelhagel: Feuer frei in "Free Fire"

David Auer | Lexikon | aus FALTER 14/17 vom 05.04.2017

Ostentativ konventionell ist Ben Wheatleys neuester Film, zumindest im Vergleich zu seinem bisherigen Oeuvre. Weder werden hier Auftragskiller zu Kultkönigen gekrönt ("Kill List") noch aus "Sightseers" Serienkiller. Blut fließt dennoch auch in "Free Fire" reichlich und Chaos regiert sowieso, diesmal ausschließlich in einer ausrangierten Fabrik im Boston der 1970er-Jahre. Dort geht ein Waffendeal aufgrund einer Lappalie schief und schon laufen die Läufe heiß.

Die gutgelaunten Stars, darunter Brie Larson und Cillian Murphy, treffen ebenso viele Kugeln, wie sie ausweichen müssen, während sie munter Salven aus ihren Pistolen und Mündern feuern. Die Wortgefechte sind auch bestimmt lustig, allein schon der Akzente wegen, die aber in der deutschen Synchronisation allesamt flachfallen. Boston, Irland, (Cockney-)England, sogar Südafrika (Sharlto Copley) haben ihre großen Auftritte im engen Setting, aus dem weder Flashbacks noch das Ende führen: Die Story ist so straight wie die Charaktere kauzig.

Die Kamera fängt das Durcheinander kontrolliert ein und labt sich am Retrochic. Bart- und Haupthaare sprießen, die Krägen sind lang und die Anzüge leisure. So groovy und kalkuliert scheidet einer nach dem anderen dahin, als säße man in "Reservoir Dogs" mit Slasher-Ambitionen. Von hier aus ist es nicht weit zu "The Nice Guys", der erst kürzlich Schlaghosen und Pornoschnurrbärte mit ulkigem Neo Noir zusammenbrachte.

Wheatley ist jedoch weder Tarantino noch Shane Black, an beiden nimmt er sich in diesem von Martin Scorsese koproduzierten Film ein Vorbild. An einer Stelle heißt es einmal, was auch immer in der Fabrik einst hergestellt worden ist, werde nun nicht mehr nachgefragt. Ein Mehr an derartiger Selbstreflexion hätte "Free Fire" sicher gut gestanden.

Ab Fr in den Kinos


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