Zeit am Schirm

TV-Kolumne


MATTHIAS DUSINI
MEDIEN | aus FALTER 14/17 vom 05.04.2017

Der Schauspieler Ron Perlman wurde 1986 in der Rolle des Mönchs Salvatore im "Namen der Rose" bekannt. In dem Film spielt er einen buckligen Außenseiter, der in einem wilden Kauderwelsch spricht. Nun ist Perlman in der TV-Serie "Hand of God" zu sehen, in der er einen korrupten, von religiösen Wahnvorstellungen geplagten Richter verkörpert.

"Hand of God" ist eine von zahlreichen Produktionen, mit denen Netflix und Amazon an den Erfolg von Klassikern wie "The Sopranos" oder "Breaking Bad" anzuknüpfen versuchen. Eine kaputte Familie ist der Hintergrund für Ausflüge in amerikanische Abgründe, die von Korruption und Gewalt gekennzeichnet sind. Ron Perlman spielt Richter Pernell Harris mit der Brutalität eines mittelalterlichen Inquisitors, der noch böser ist als seine moralisch verkommene Umgebung. Anders als im "Namen der Rose" gibt es keinen Ketzer, der gegen die Verhältnisse aufbegehrt. Die Serie imitiert die düstere Atmosphäre der Vorbilder, ohne deren Sogwirkung zu erreichen. Vielleicht ist die große Zeit der TV-Epen ja vorüber.


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