Sport Glosse

Willkommen in der schönen neuen Welt des gläsernen Fußballbusiness

STADTLEBEN BEWEGUNG | aus FALTER 14/17 vom 05.04.2017

Der Fußball geht einer glänzenden, von jedem Zweifel befreiten Zukunft entgegen. Im 100-Meter-Lauf haben sie das Zielfoto, jetzt macht der Fußball den Videobeweis. War der Ball im Tor? Jubel stockt, Schiri fragt Videowächter, winkt ab. Nix Tor. Jubel abgesagt. Goal-Technologie ist nicht die Kunstfertigkeit eines Stürmers, sondern eine Kombination aus Chip im Ball, GPS, Kamera und TV-Grafik. Keine Angst, hier geht es nicht um Überwachung, hier geht es um Wahrheit. Mindestens. Die Autorität des Schiedsrichters wird durch "objektive" Bilder "begleitet". Die banale Erkenntnis, dass ein Mensch nicht alles sehen kann, wird durch "technische" Hilfsmittel "korrigiert". Harmlos und hilfreich. Der Schiri wird zum Gehilfen des War-Room im Stadion degradiert. Kapitalisierung und Vormacht (RB Salzburg, Bayern) reicher Klubs zu kontrollieren, ist mühsam. Eine Objektivitätssimulation auf dem Spielfeld ist simpel und widerstandslos. Denn die Pseudo-Objektivität wird von den TV-Unternehmern auch noch als Gerechtigkeitspropaganda verwendet. Sie zerstören die Autorität des Spiels über sich selber und belobigen sich auch noch dafür. Der Händler wird zum Richter. In diesem Sinne: Brave New World Cup 2018!


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