Punkterl Die Glosse vom Falter

MEINUNG | aus FALTER 14/17 vom 05.04.2017

Fußballgott Cristiano Ronaldo kam auf seine Heimatinsel Madeira, um der Umbenennung des Flughafens in Aeroporto Internacional da Madeira Cristiano Ronaldo beizuwohnen. Als er die ihm gewidmete Büste enthüllte, wies sie nur geringe Ähnlichkeiten mit ihm auf. Der heimische Künstler Emanuel Santos hatte einen Muskelprotz mit hämisch grinsenden Zügen in Bronze gegossen. Ronaldo-Fans übergossen ihn mit Hohn.

Santos steht in einer langen Tradition vermeintlich misslungener Porträts. Oskar Kokoschka verlor Auftraggeber, weil sie seine expressiven Bilder für Karikaturen hielten. Der Boulevard verglich Lucian Freuds Queen-Porträt mit der Puppe aus einer Satiresendung.

Erst unlängst war zu lesen, dass Cristiano Ronaldo über eine Briefkastenfirma Millionen in die Karibik schleuste, um Steuern zu sparen. Vor diesem Hintergrund bekommt die Statue eine andere Bedeutung. Santos schuf das Porträt eines Steuersünders, der auf der Reise in die nächste Steueroase der Welt eine lange Nase dreht.


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