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Wach oder waach, das ist hier die Frage

GS | Lexikon | aus FALTER 14/17 vom 05.04.2017

Das Schöne am Wienerischen ist die Biegsamkeit der Sprache. Nehmen wir etwa das Wort "wach": Zuerst einmal bedeutet es schlicht und einfach "munter". Bei veränderter Betonung verkehrt es sich quasi ins Gegenteil. "Wach" respektive "waach" meint dann "weich" oder, auf den Bewusstseinszustand einer Person bezogen, leicht weggetreten bis stark illuminiert.

"Wach" heißt nun auch das neue Album von Nino Mandl alias Der Nino aus Wien. Wie passend, entspricht der neuerdings in Favoriten lebende Wiener Liedermacher doch beiden Bedeutungen des Wortes. Wach im Sinne von ausgeschlafen ist seit jeher seine Kunst, als waach hingegen wird sein Auftreten gerne wahrgenommen. Der Titel spielt bewusst damit. Erstmals hat Mandl die Lieder vorrangig tagsüber und nicht nachts geschrieben, und das Muntersein taucht in den Texten durchaus nicht ganz unprominent auf - letztlich sogar in "Es lebe der Schlaf". Der Sound wiederum ist ansprechend waach: Inspiriert von der zweiten Hälfte der Sixties zitiert Mandl die Beatles und die Kinks, bei aller Konzentriertheit - fast jedes Stück entspricht dem klassischen Drei-Minuten-Popsongformat - sind aber doch auch psychedelische Momente möglich; sogar eine Sitar kommt zum Einsatz.

Der Arbeitstitel für "Wach" lautete übrigens "Der Nino aus Wien sucht". Die nächste Doppeldeutigkeit also. Welche Drogenerfahrungen Mandl in jungen Jahren gemacht hat?"Der erste Joint, der gewirkt hat, war schon cool", sagt der 29-Jährige. "Schwammerl haben mir auch getaugt, aber das habe ich seit meiner Jugend nicht mehr gemacht. Psychedelische Drogen sind eine gute Erfahrung, aber so ein Trip ist auch anstrengend. Das brauche ist jetzt nicht unbedingt, aber ich habe etwas davon mitgenommen und finde es immer noch gut, dass ich es erlebt habe."

Arena, Fr 20.00


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