Stadtrand Urbanismus

Randgruppen an den Rand!

STADTLEBEN | aus FALTER 14/17 vom 05.04.2017

Maßnahmen zur Obdachlosenabwehr sind in den meisten Großstädten dieser Welt fast schon so selbstverständlich wie das Vorgehen gegen lästige Schädlinge wie Tauben und Ratten. Da werden Nischen mit Gittern oder mit metallenen Spitzen versehen, in der Mitte von Sitzbänken Armlehnen montiert, damit sie nicht mehr als Rast-oder Schlafplatz genutzt werden können. Oder man geht so weit wie die ÖBB vergangene Woche und entfernt die Bänke gleich ganz - jetzt kann halt vor dem Westbahnhof nur noch sitzen, wer genug Geld hat, um im dortigen Schanigarten zu konsumieren.

Mit Randgruppen herumschlagen will sich offenbar auch die katholische Kirche nur dort, wo es ihr in den Kram passt: Vor gut zwei Wochen ließ der Pfarrer der Karlskirche an einer Außennische mit Steinbank ein gusseisernes Gitter anbringen. Das Gitter habe nichts mit Obdachlosen zu tun, sagte der Pfarrsekretär danach dem ORF, "Partys von Drogensüchtigen" sollten verhindert werden. Dass ausgerechnet die Kirche, deren ureigener Auftrag es ist, sich um Randgruppen zu kümmern, nun auch lieber zum Troubleshooter Gitter greift, anstatt den Dialog zu suchen, beschämt. F


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