Wieder gelesen Bücher, entstaubt

Die Gefahr der Vereinfachung

BENJAMIN BREITEGGER | POLITISCHES BUCH | aus FALTER 14/17 vom 05.04.2017

Amartya Sen widerlegt die These des Politikwissenschaftlers Samuel Huntington, dass sich Weltpolitik durch Konflikte zwischen acht großen Kulturkreisen erklären lasse. Er zeigt auf, wie gefährlich es ist, Menschen nur eine Identität zuzuschreiben. Sen ist Ökonom und Nobelpreisträger und Dilettant auf philosophischem Gebiet, wie er sich selbst beschreibt - und da sind wir schon mitten im Thema: Denn Sen ist noch vieles mehr. In seiner Analyse plädiert er dafür, dass wir uns "gegen die Verkürzung des Menschen wehren", gegen Gewalt im Namen von Kultur und Religion. Sein Buch, das im englischen Original "Identity and Violence" heißt, versammelt sechs Vorlesungen, was zur Folge hat, dass es öfters zu Wiederholungen kommt. Trotzdem eine lesenswerte Schrift in einem Jahr, in dem rechte Kräfte zunehmend den Diskurs bestimmen.

Amartya Sen: Die Identitätsfalle. Warum es keinen Krieg der Kulturen gibt. Dtv, 2007,208 S., € 10,20


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