Am Apparat Telefonkolumne

Wie kann Wien der Soros-Uni in Budapest helfen, Frau Vassilakou?


ANRUF: FLORIAN KLENK
POLITIK | aus FALTER 14/17 vom 05.04.2017

Zuerst waren es kritische Medien, jetzt sind es unabhängige Wissenschaftler. Mit einem neuen Gesetz will Ungarns Premier Viktor Orbán die Central European University in Budapest zum Schließen zwingen - eine Attacke gegen den Financier der Einrichtung, den Investor George Soros. In Budapest demonstrieren Tausende gegen die Pläne. Die Wiener Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou will der CEU im Ernstfall Wien als Standort anbieten.

Frau Vizebürgermeisterin, Orbán will die CEU mit Schikanen vertreiben. Wie soll sich die Universitätsstadt Wien hier positionieren?

Ich will der CEU das Angebot machen, wenn es wirklich notwendig ist, ihren Standort nach Wien zu verlegen. Wo, wenn nicht hier im Schmelztiegel Zentraleuropas, könnte eine solche Universität gut weiterarbeiten?

Wie soll eine Ansiedlung schmackhaft gemacht werden?

Hier geht es nicht um schmackhaft, hier geht es um einen guten Standort. Wien hat ausreichend gute Standorte für eine Universität und liegt perfekt für das bisherige Einzugsgebiet der CEU.

Glauben Sie, dass Orbán aus Angst vor Arbeitsplatzverlust einlenken wird?

Wenn, dann wird es wohl der zivile Widerstand sein. Es gibt eine große Protestbewegung in Ungarn gegen Orbáns Politik. Tausende waren am Wochenende auf der Straße.

Ist Ihr Angebot von symbolischem Wert, also Ausdruck von Solidarität mit der CEU, oder richtig ernst gemeint? Die Ungarn würden einen wichtigen Thinktank verlieren.

Niemand will Budapest etwas wegnehmen. Die Regierung in Ungarn beraubt sich gerade selbst. Wien ist nicht nur solidarisch, Wien eröffnet der CEU eine Möglichkeit, in der Region bleiben zu können und weiter in die Region wirken zu können.

Haben Sie den Vorschlag mit dem Koalitionspartner besprochen?

In solchen Fragen gehe ich davon aus, dass der Bürgermeister und ich zu 100 Prozent einer Meinung sind.


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