Hitlers Saubermann

Er sollte Korruption in den Konzentrationslagern untersuchen, stieß auf die Gaskammern und versuchte, die Verantwortlichen hinter Gitter zu bringen: Eine soeben auf Deutsch erschienene Studie widmet sich der unglaublichen Geschichte des SS-Richters Konrad Morgen


PORTRÄT: BARBARA TÓTH
Politik | aus FALTER 15/17 vom 12.04.2017


Foto: Ullstein Bild / picturedesk.com

Alles begann mit einem unscheinbaren Feldpostpäckchen. Es war aus Karton, mehr lang als schmal. Vollkommen unauffällig, wäre es nicht so ungeheuer schwer gewesen. Es enthielt drei Klumpen hochkarätiges Zahngold. Absender war ein Sanitätsdienstgrad des Konzentrationslagers Auschwitz, adressiert war es an dessen Frau. Die Zollfahndung beschlagnahmte es und so landete es im Spätsommer 1943 auf dem Schreibtisch des deutschen SS-Richters Konrad Morgen.

Das „Dritte Reich“ befand sich im Krieg gegen Russland, England, Frankreich und die USA. Langsam durfte man hoffen, dass sich Adolf Hitler übernommen hatte. Das systematische Ermorden von 1,7 Millionen Juden – die sogenannte „Aktion Reinhardt“ – in den Gaskammern der drei Vernichtungslager Belzec, Sobibor und Treblinka war fast abgeschlossen. Dass ab 1941 Fürchterliches auf polnischem und ukrainischem Gebiet im „Generalgouvernment“ geschehen war, konnte man innerhalb der SS zwar schon ahnen. Das Ausmaß und die Methode waren nur einem kleinen Kreis bekannt. Richter Morgens Aufgabe klingt aus heutiger Sicht wie ein böser Scherz. Er war von SS-Reichsführer Heinrich Himmler dafür abgestellt worden, Korruption innerhalb der SS zu bekämpfen. Er sollte Unrecht in einem System des totalen Unrechts ahnden. Er sollte darauf achten, dass mit Anstand gemordet wird. Wie hatte es Himmler selbst gesagt? „Wir hatten das moralische Recht, dieses Volk (gemeint sind die Juden, Anm.) umzubringen. Wir haben aber nicht das Recht, uns auch nur mit einem Pelz, mit einer Uhr, mit einer Mark oder mit einer Zigarette oder mit sonst etwas zu bereichern.“

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